Dienstag, 10. Februar 2015

Taucheskapaden

Nur um keinen falschen Eindruck entstehen zu lassen: wir studieren immer noch und sind mit unseren Masterarbeiten beschäftigt ;) Eventuell sollten wir auch mal Beschreibungen davon in den Blog mit aufnehmen, um die Berichterstattung etwas abwechslungsreicher zu gestalten. Bis dahin gibts allerdings noch weiter von unseren Wochenendaktivitäten zu lesen.

Bereits vor drei Wochen fuhren wir mit der Tauchgruppe an einem Samstag zum Søndagsdykk an einen neuen Tauchplatz. Unweit des vom Verantwortlichen favorisierten Tauchplatzes "Ingdalen" liegt der namensgebende Ort Ingdalen. Ungefähr 20 Häuser reihen sich dort an der einzigen Straße weit und breit auf und waren Ausgangspunkt des Tauchgangs. Der Tauchplatz erhielt von uns kurzerhand den Namen "Ingdalen City". Nebst ausreichend Parkmöglichkeiten bietet der Platz eine sanft abfallende Halde auf ungefähr 7-8 Meter und dann mehr oder weniger steile Wände, die mehr oder weniger tief abfallen. Eine fjordauswärts gerichtete Strömung (bei Flut) half uns gegen Ende des Tauchgangs die zuvor gegen die Strömung zurückgelegte Strecke in Rekordzeit zu absolvieren. Auf gut 22 Meter Tiefe haben uns vor allem die Felsformationen beeindrucken können und erst später auf ca. 10 Meter wieder die vielen kleinen und großen Lebewesen zwischen den Felsen. Dank zweier Mittaucher, die es nur kurz in den 4 Grad kalten Fluten aushielten und kurz zum Einkaufen gefahren waren, gab es nach dem Tauchgang Hot-Dogs vom Grill.
"Ingdalen City" - ein neuer Tauchplatz mit einer vielversprechenden Wand, die sich unter dem Wasser so fortsetzt wie sie darüber anfängt.  
Das meiste Leben findet sich allerdings wie immer im flachen Teil, so wie diese schöne große Trollkrabbe (mit ca. 40-50 cm Spannweite) 
Am darauf folgenden Wochenende (das vor zwei Wochen) waren wir sowohl samstags als auch sonntags im Wasser. Samstags konnten wir dem Tauchclub helfen die Vereinskasse etwas aufzubessern und nahmen an einer "taredugnag" teil. "Dugnad" ist in Norwegen jede Form ehrenamtlicher Tätigkeit, meist zusammen mit dem ganzen oder einer großen Gruppe des jeweiligen Vereins. "Tare" ist norwegisch für Kelp, oder Seetang/Algen. Dahinter steckt das Forschungsunternehmen SINTEF, das eng mit der NTNU zusammenarbeitet. Das Meereslabor von SINTEF benötigt von Zeit zu Zeit Proben von Kelp aus dem Tronheimsfjord (soweit wir verstanden haben für Energieforschung). Also brachen wir zu siebt am Vormittag auf, um Kelp sammeln zu fahren. Da "Fjøset II" das Vereinsboot nach seiner Havarie beim Finnedykket im letzten Herbst endlich wieder einsatzbereit war und wir wenig genug Taucher waren, um darauf zu passen, wurde es für die Fahrten verwendet. Mit Kristian holten wir das Boot ab, während die anderen mit dem Auto zu einem anderen Teil des Hafens fuhren, wo das Auto parken konnte und der Weg von Auto zu Boot möglichst kurz ist. Dort wurde das Material umgeladen und alle kamen an Bord. Zehn Minuten später waren wir in "Storsteinan", wo André bereits einen Søndagsdykk von Land aus mitgemacht hatte. Dort sollte der Kelp gesammelt werden. Jedes Team bekam ein Bild der zu sammelnden Sorte und machte sich auf, im flachen Wasser möglichst viel davon zu sammeln. Laut Kristian sollte das nur wenige Minuten dauern. Wir hatten "sukkertare" zu suchen, welcher wohl die seltenste der Kelpsorten war. Nach 20 Minuten hatten wir die Netze noch nicht ansatzweise voll und stiegen wieder an die Oberfläche um abzuklären, ob das denn schon reichen würde. Es schien gerade genug zu sein und wir durften wieder ins Boot klettern. Wir wollten möglichst wenig Luft verbrauchen um im Anschluss noch ein winziges Wrack ein paar Kilometer weiter behauchen zu können, welches man nur mit dem Boot erreichen kann. Leider hatte einer der anderen Taucher nur den äußeren der beiden Reißverschlüsse seines Anzuges geschlossen, der nur zum Schutz des eigentlich dichtenden Trockenreißverschlusses gedacht ist. Im Laufe des zehnminütigen Tauchgangs bei 4 Grad Wassertemperatur, ist er so voll gelaufen, dass drei Leute anpacken mussten um ihn wieder ins Boot zu bekommen. Klar war auch, dass der Wracktauchgang abgesagt werden musste. Schnell wurde der Anzug ausgeleert, ordentlich geschlossen und mit Luft gefüllt, um im Falle eines Über-Bord-Gehens genügend Auftrieb zu gewähren. Dann gings mit Vollgas zurück nach Trondheim, wo wir den bereits stark frierenden Taucher ins warme Auto packten. Joakim fuhr ihn dann umgehend nach Hause und der Rest machte sich noch einmal kurz auf, um vor Trondheim mit den fast vollen Flaschen tauchen zu gehen. Da wir schon das Boot hatten, fuhren wir die Insel Munkholmen an, auf der direkt vor Trondheim im Laufe der Jahrhunderte ein Kloster, eine Brauerei und etliche Geschützstellungen gebaut worden sind. Mit dem Auto ist die Mini-Insel natürlich nicht zu erreichen und somit normalerweise auch nur schwer zu betauchen. Das Meer um die Insel ist sehr flach und laut Kristian nicht besonders spannend. Also ließen wir die Kamera außen vor, blieben absichtlich im seichten Gewässer und machten ein paar Übungen, die man nach einem sehr tiefen oder langen Tauchgang besser vermeidet. Das klappte sehr gut und war dringend mal nötig. Nach dem Tauchgang ging es mit dem Boot zum Tanken, wo dann auch schon Joakim mit dem Auto wartete. Alles wurde wieder umgeladen und André und Kristian machten sich auf, um bei SINTEF den Fang des Tages abzugeben. Hinterher wurde das Boot wieder geparkt und das Material im Sportgebäude verstaut. Da für Sonntag der Søndagsdykk auf dem Plan stand und wir großes vor hatten, packten wir bereits alles wichtige wieder in Kristians Auto, um am nächsten Morgen Zeit zu sparen.

Sonntag um 10 trafen wir uns wieder im Sportgebäude. Zwei Leute wurden schnell zum Boot gefahren und sollten das Boot über den Fjord nach Ekne im Norden des Trondheimfjords fahren. Der Rest trat wenig später mit Autos die einstündige Fahrt an. Nach zwei Stunden kam das Boot ebenfalls an einem kleinen Sportboothafen in der Nähe von Ekne an. In der Zwischenzeit hatten wir bereits unser Material hergerichtet und einen fatalen Fehler vom Vortag entdeckt: unsere nasse Ausrüstung war über Nacht im Auto gelegen und die Temperaturen hatten wieder einmal einen Sprung von fünf auf minus ein Grad gemacht. Entsprechend unangenehm war es dann auch schon in die steifgefrorenen Anzüge, Neoprenhauben und Nasshandschuhe zu schlüpfen. Als wir das hinter uns gebracht hatten, stiegen wir zügig aufs Boot und fuhren zum eigentlichen Tauchplatz "Ekneveggen", die "Ekne-Wand". Schon über Wasser fällt das Terrain senkrecht etliche Meter direkt ins Meer und von dort aus weiter bis auf 50 Meter Tiefe. Vor dem Einstieg erwarteten uns allerdings noch weitere Probleme: einige Ventile der Anzüge und Tarierwesten waren festgefroren, sowie ein Atemregler von André, den er am Abend zuvor noch mit Leitungswasser gespült und über Nacht sogar im Warmen aufbewahrt hatte. Ausreichend Körperwärme (quasi Heilung durch Handauflegen oder ein paar Minuten einlegen im salzigen Fjord) löste alle Teile und wir konnten zusammen mit Stian sicher an der Wand abtauchen. Gemütlich tauchten wir 50 Minuten an der Wand entlang, die auf allen Höhenstufen von unterschiedlichsten Pflanzen und Lebewesen besiedelt ist. Dank der starken Strömung entlang der Wand passiert besonders viel Wasser alles was wort kreucht und fleucht und erhöht somit die Menge an verfügbarem Futter. Für einen Tauchplatz so tief im Fjord gab es dort wirklich eine ungewöhnlich große Zahl von Lebewesen. Ausnahmsweise kältebedingt mussten wir das mit 4 Grad eigentlich warme Wasser verlassen und im flachen Boot Schutz vor dem minus ein Grad kalten Wind suchen. Zurück im Sportboothafen versuchten wir so schnell wie möglich wieder warm zu werden. Das gelang hervorragend beim Einheizen des Grills für Hot-Dogs und Hamburger. Nach dem kurzen Snack ging die zweite Tauchgruppe auf das Boot und wir verräumten in der Zwischenzeit so viel Gepäck wie möglich, um uns wieder auf den Heimweg machen zu können, sobald die andere Gruppe aus dem Wasser kommt. Zurück in Trondheim wurde wieder alles verräumt, die beiden Bootsfahrer wurden vom Hafen abgeholt und ein sehr langer Søndagsdykk fand am Sportgebäude sein Ende.
Gischt - am Boot festgefroren. Tauchtruppe - wie immer gut drauf. 
Uns beiden bislang noch nicht untergekommen: eine Seespinne auf einer Oskjell (wie eine gewöhnliche Muschel aus dem heimischen Supermarkt nur 15 bis 20 cm lang).
Links Nase, rechts Linda.

Verrückte Augen - Trollkrabbe in Nahaufnahme.

Seescheiden über und über - Zeugen des Nährstoffreichtums der vorbeiziehenden Strömungen.
Nährstoffreichtum für Taucher: Hot-Dog und Hamburger vom Grill.

Dienstag, 20. Januar 2015

Søndagsdykk Ingdalen

Nachdem wir uns am Tag zuvor mit den Skiern in die Höhe begeben hatten, ging es am Sonntag endlich wieder zum Tauchen. Der Standardspot Ingdalen stand dank neuem Anmeldeformular im Internet bereits vorher fest, ebenso wie die Tatsache, dass es 14 Leute werden, die auf den Ausflug mitfahren. Da es bereits einige Tage nicht mehr geschneit oder geregnet hatte, machten wir uns mal wieder mit dem Rad auf den Weg. Das Radeln mit all dem Gepäck gestaltet sich auf den immer noch vereisten Gehwegen allerdings als sehr interessant, sodass wir beim geringsten Anzeichen auf Niederschlag und zusätzliche Glätte uns das nächste Mal wieder um einen Abholservice bemühen werden. Gesund und munter am Sportgebäude angekommen, ging es ans Material zusammensuchen, prüfen und Autos beladen im ungewohnt großen und stressigen Stil. Der organisatorisch Verantwortliche verkündete dann auch erst nach ca. einer Stunde sichtlich genervt die Abfahrt nach Ingdalen. Dort angekommen (nach dem obligatorischen Zwischenstopp in Orkanger nach der Hälfte der Strecke) ging alles seinen gewohnten Gang und wir durften uns bald in die kalten Fluten stürzen. Recht wenig lebendig stellte sich auch dieser sonst so wuselnde Tauchplatz dar - muss dann wohl wirklich am Winter liegen- aber umso schöner war es dann doch, zwischendurch die ein oder andere bunte Anemone oder einen großen Fisch zu finden. Immerhin die Taschenkrebse ließen uns nicht im Stich und hingen zu Dutzenden an der Steilwand rum (im wahrsten Sinne des Wortes und quasi pflückreif wenn wir ein Netz dabeigehabt hätten).
Taschenkrebs im Fokus - mit der Befürchtung, dass die wohl das einzig gute Fotomotiv sein könnten. 
Schicke Anemone, ca. Faustgroß 
Vorne Anemone, hinten Linda ... höchste Zeit aufzuschließen!
Nach gut 50 Minuten mussten wir luft- und kältebedingt dann leider wieder an Land kommen. Die zweite Gruppe machte sich dann zügig auf, ihren Tauchgang zu beginnen und wir mussten selbigen beobachten. Hinterher wurden die Autos wieder vollgepackt und der Rückweg angetreten. Erst gegen sechs waren wir wieder daheim, spülten die Ausrüstung und kochten. Zum Freitauchtraining wurden wir wieder eingeladen, aber da uns das Skifahren und Linda noch ihre sonstigen Sportaktivitäten in den Knochen steckten, sagten wir diesmal dankend ab. Am nächsten Tag mussten wir ja wenigstens fit genug sein, um wieder in die Uni zu radeln ;)

Sonntag, 18. Januar 2015

Langlaufen in Bymarka

Am heutigen Samstag, verabredeten wir uns um halb zehn an der Bushaltestelle vor unserem Haus mit einem ganzen Haufen anderer Studenten, um mal das Skilanglaufen in Bymarka auszuprobieren. Zum Schnäppchenpreis konnten wir uns bereits vor zwei Wochen für das komplette Semester (sehr) gebrauchte Langlaufski bei der Studentenvereinigung Internationaler Studenten ausleihen. Gegen kurz nach Zehn waren wir oben an der Skistua, dem zentralen Startpunkt der meisten Aktivitäten in Bymarka. Dort versuchte sich jeder erst einmal auf die ungewohnten Sportgeräte zu stellen, die die meisten noch nie probiert hatten. Immerhin war es ziemlich warm (um die 0°) und man fiel weich. Sobald das Draufstehen funktionierte starteten wir zügigen Schrittes Richtung Elgsethytta (ca. 4km). Zwischendrin schneite es hin und wieder sehr nass und wir waren alle recht froh, uns, dort angekommen, zu einer heißen Schokolade in die Hütte setzen zu können.
Gruppenfoto mitten auf einer norwegischen Loipe (wofür uns die Einheimischen bestimmt dankbar waren). 
Nach der Aufwärmpause gabs ein Gruppenfoto und dann wollten wir nicht nur zurück zur Skistua und dem Bus, sondern bis runter zur Stadt fahren. Das ging dann noch deutlich zügiger als auf dem Hinweg (ging ja auch meist bergab) und kurz bevor es dunkel wurde, kamen wir in Lian an, von wo aus wir eine Tram zurück nach Trondheim und von dort den Bus nach Moholt nehmen konnten.
Trondheims Trambahn (die einzige Linie)

Ein sehr schöner Tag mit einigen neuen Bekanntschaften und einer tollen neuen Sportart. Hoffentlich schneits bald mal wieder so richtig.

Søndagsdykk Snillfjord

Vergangenen Sonntag durften wieder einmal an einem Tauchgang der Tauchgruppe teilnehmen. Wegen starken Windes, der bereits die Tage zuvor getobt hatte und auch für Sonntag vorhergesagt war, entschieden wir uns für eine windgeschützte Ecke. Der Snillfjord, der anders als der Trondheimfjord von relativ hohen Bergen umrahmt ist, erfüllte dieses Kriterium. Wie immer trafen wir uns um 10 am Sportgebäude und sammelten eine gute Zeit später noch ein paar weitere Leute an einer Tankstelle in Orkanger ein. Gute 40 Kilometer vereister Straßen waren es von dort aus noch bis zum Fjord. Dort suchten wir mögliche Parkplätze ab, auf denen die sechs Autos parken konnten. An der ausgesuchten Bucht fanden wir zwei und wollten vom einen zum anderen tauchen. Bei Minusgraden über und knappen Plusgraden unter Wasser ging es dann in selbiges. Auf einer Tiefe von 10 Metern zeigte uns der Computer mit 5-6 Grad glücklicherweise wieder wärmeres Wasser an, was uns einen schönen langen Tauchgang mit über 50 Minuten ermöglichte.

Am Einstieg: von dem Boot sind nur noch die Welle und ganz wenige Teile des Rumpfes erhalten geblieben. Außerdem: tolles Wetter, schöner Fjord!
Highlight des Flachwassers am Einstieg: viele kleine Jakobsmuscheln (oder so), die PacMan-mäßig vor uns weg, neben uns her, um uns rum geschwommen sind. 
Sehr gemütliche Muschel, die sich von uns nicht stören hat lassen und einfach weiter vor sich hin filtriert hat. Mahlzeit!
Immer wieder was Neues. Keine Ahnung was das ist. Sieht aber gut aus.
Alte Bekannte im (Makro-)Focus.
An der Wand nach oben zur Wasseroberfläche. Toller Tauchplatz, wenn auch nicht ganz so lebendig wie anderswo.
Den angepeilten zweiten Parkplatz erreichten wir nicht ganz und mussten einige Meter am steilen Ufer bis zur Straße hochklettern. Dort kam währenddessen schon eines der Autos vorbeigefahren, mit welchem wir unsere Ausrüstung zurück zum Einstiegspunkt fahren lassen konnten. Wir liefen zurück, zogen uns um, verräumten unser Zeug und setzten uns schnell in eines der Autos um Finger und Füße wieder aufzuwärmen. Bei der Tankstelle in Orkanger machten wir noch einmal kurz Pause, gönnten uns einen Tankstellen-Hotdog und verabschiedeten diejenigen die von dort aus direkt nach Hause fuhren. Am Sportgebäude in Trondheim spülten wir unser Equipment um die Wasserschlacht im heimischen Bad zu vermeiden. Leider tropften Anzüge, Jackets und so weiter nicht ab, sondern gefroren in null Komma nichts, so dass wir daheim doch noch einmal unser Bad einsauen mussten - allerdings immerhin nur zum Auftauen und Abtropfen.

Auch für ein kurzes Abendessen reichte es noch, bevor uns mit den Rädern um halb sieben wieder aufmachten, um im Schwimmbad die erste Einheit des neuen "Freitauch"-Trainings mitzumachen, bei welchem die Freitaucher der Tauchgruppe das Apnoe-Tauchen üben. Hinterher gabs nochmal Essen und wir fielen bald müde ins Bett.

Dienstag, 6. Januar 2015

Zurück in den harten Alltag

Nachdem wir die letzten paar Wochen quasi "Urlaub" hatten und Weihnachten und Silvester ohne Arbeit verbrachten, sollte es am Montag voller Elan in den endgültigen Endspurt unserer Projekt-Dokumentation für das Interdisziplinäre Projekt an der TUM  in München gehen. Kurz nach dem Aufstehen gab es allerdings zunächst eine Überraschung für André. Bereits vor Silvester musste er bei der Hausverwaltung einen Reperaturauftrag für seine Heizung stellen, da diese keinen Mucks mehr von sich gibt - und das bei den Temperaturen. Am heutigen Montag ist dann endlich ein zuständiger Mitarbeiter vorbeigekommen, um sich das Problem erst einmal anzusehen. So früh waren wir noch am schlafen, wie immer in Lindas Zimmer, während André am Vorabend alles in seinem Zimmer lies. Nachdem sich der Techniker vom Problem überzeugt hatte (ja, die Heizung ist wirklich kaputt), hinterließ er einen Zettel, dass sich bald mal jemand um das Ding kümmern werde und schloss Andrés Zimmertüre zu. Als sich André nun Zugang zu seinem Raum und all den wichtigen Dingen darin (Arbeitsplatz, Laptop, Handy, Anziehsachen, Zimmerschlüssel(!)) verschaffen wollte, fand er nur eine verschlossene Tür vor. Na toll!

Glücklicherweise hatte Linda ja noch Laptop und Handy und wenige Minuten später rief André bei er Hausverwaltung an und schilderte das Problem, während sich Linda (immer noch im Bett) vor Lachen kaum halten konnte. Spätestens als André auf die Aussage der Mitarbeiterin am anderen Ende  "er solle kurz rüberkommen und den Ersatzschlüssel holen kommen" antworten musste, dass er "nur in Boxershorts rumstehe und alles andere weggesperrt worden sei", gabs für Linda kein Halten mehr. Leicht ungläubig fragte die Mitarbeiterin all unsere Daten ab und gestattete immerhin, dass Linda vorbeikommen könne, um den Ersatzschlüssel zu holen.

Das tat sie dann dankenswerter Weise auch, wenn auch mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht. Zurück kam sie mit Zimmerschlüssel und der Meldung, dass sich die Mitarbeitern nochmal danach erkundigt habe, ob Andé denn jetzt auch wirklich nackt vor verschlossener Türe stehe - sehr diskret, vielen Dank. Da freut sich André jetzt schon auf die Grinser beim Zurückbringen des Schlüssels.

Søndagsdykk Adgenes

Nach relativ langer Pause (Linda zuletzt bei der Herbsttour, André zwischendurch mal daheim bei München) durften wir letzten Sonntag endlich wieder einmal abtauchen. Nur zu viert ging es bei Kälte, Wind und Schneetreiben wieder mal in den Trondheimsfjord. Kurz vor Zehn wurden wir diesmal daheim abgeholt, weil der Schnee zum Radeln mit dem vielen Gepäck einfach zu viel war. Nachdem am Sportgebäude der Uni noch Blei und Luftflaschen eingeladen worden waren, ging es mal wieder den weiten Weg raus bis zur Küste. Drei verschiedene Tauchmöglichkeiten klapperten wir im Laufe guter zwei Stunden ab, bis wir uns für den am wenigsten exponierten an einem winzigen Industriehafen entschieden. Unter den Anlegeplattformen sollte es massenhaft Fische und Krabben geben, sagte unser Tauchleiter. Bei ordentlich Wind aber zumindest kaum Niederschlag machten wir uns und die Ausrüstung fertig und versuchten ins Wasser zu kommen, bevor uns noch an Land kalt werden konnte.
Schnell alles vorbereiten und ab ins Wasser, bevor das, was sich im Hintergrund zusammenbraut, bei uns ankommt.
Eine dreiviertel Stunde konnten wir das Becken und die Plattformen erkunden. Fisch war keiner da und Krabben musste man auch suchen. Die hatten sich zumeist tief in den sandigen Boden eingegraben.

Einige Kammskjell (Jakobsmuscheln) gab es, von denen wir fünf in ausreichender Größe (gespreizte Hand) mitnahmen. Viele kleine Baby-Kammskjell waren auch unterwegs, die durch Auf- und Zuklappen ihrer Schalen vom Boden aufstiegen, wenige Meter rumschwommen und sich wieder fallen ließen. Unter den Plattformen gab es dann noch einige Trollkrabben zu sehen, sonst stach der Tauchplatz nur durch viel Schrott und haufenweise Tier-Skelette ins Auge.
Gut versteckt - ein Taschenkrebs.
Überreste von so manchem Grillfest: Tierknochen im Hafenbecken.
Unter den Anlegebrücken: leider auch nicht mehr Leben als auf der Sandfläche. Nur das andere Team dümpelt gerade so in Sichtweite vor sich hin.
Jeder Bewohner im Umkreis von einigen Kilometern (so viele gibts da ja nicht) muss dort seinen Müll entsorgen, damit diese Menge da zustande kommen konnte. Schade, sonst wärs ein sehr gemütlicher Platz zum Tauchen so lange keine Schiffe am Dock beschäftigt sind. Nach dem Tauchgang dämmerte es dann bereits merklich, es hatte wieder mal zu schneien begonnen und der Wind war noch stärker geworden. So schnell wie möglich versuchten wir uns aus den Anzügen zu schälen, das Equipment im Auto zu verstauen und im Auto aufzuwärmen - heißer Tee in Thermoskanne sei Dank. Linda hat glücklich festgestellt, dass sie trotz 4 bis 5 °C kaltem Wasser nicht   gefroren hat. Den ganzen Weg zurück, die Ausrüstung gewaschen und zurückgegeben, daheim angekommen und die Ausrüstungskleinteile in Süßwasser eingelegt, gab es für uns dann erst mal Kammskjell-Sashimi (also wie Sushi ohne Reis, also dünne Scheiben roher Jakobsmuschel mit etwas Sojasoße) - sehr sehr lecker! Für den kommenden Sonntag haben wir uns bereits wieder angemeldet.

Nyttårsaften på hytta

Nachdem wir von unseren schönen gemütlichen Weihnachten und Weihnachtsfeiertagen wieder aus Deutschland in Trondheim angekommen waren, bereiteten wir schon unser nächstes großes Highlight vor: Silvester auf der Fosenkoia. Vier Tage/drei Nächte wollten wir dort mit Christian (mit dem wir zuletzt auf der Kamtjønnkoia waren) verbringen, Silvester inklusive. Bei der Essenplanung waren wir uns schnell einig und auch sonst war jeder von uns ja schon auf einigen Hütten, sodass Einkaufen und Packen recht zügig von der Hand ging.

Am Morgen des 31. kam Christian dann von seiner Wohnung in Steinan (ein "Stadtviertel" mit Studentenwohnheim nicht weit von uns) zu uns nach Moholt, gab seinen Wohnungsschlüssel in der Verwaltung ab, weil er komplett ausziehen musste, und packte alles unnötige aus seinem Rucksack raus, und hauptsächlich jede Menge Essen rein. Anschließend ging es mit den Rädern durch den tauenden Schnee zur Fähre. Es war deutlich über Null und die Schneemassen flossen wie die Tage zuvor immer noch in Strömen über die Straßen Richtung Meer. Auch für die kommenden Tage war Tauwetter vorhergesagt bei Plusgraden bis zu acht Grad und ständigem Niederschlag. Nichtsdestotrotz gingen wir bester Dinge um kurz vor zehn auf die Fähre, die uns in 20 Minuten auf die andere Seite des Fjordes brachte. Den Weg zur Hütte kannten wir bereits, da jeder von uns bereits dort war, und wir machten uns ohne weitere Verzögerung an den Anstieg. Die ersten paar hundert Meter hatten wir dann gleich ordentlich Eis auf dem steilen Forstweg, das überall sonst schon weggetaut war. Nach einem Bauernhof (die letzte Form der Zivilisation für etliche Kilometer in diese Richtung) lag Schnee auf dem Weg, der schnell tiefer wurde. Einige hundert Meter weiter stapften wir durch nassen, schweren, knietiefen Schnee wohlwissend, dass das interessante Terrain noch vor uns lag. Nachdem wir dann über eine zerfallene Brücke über einen, im Vergleich zum letzten Mal, enorm angeschwollenen Bach balanciert waren, versanken wir bis zur Wade in eiskaltem Wasser, das unter dem Schnee auf einer Wiese stand. Trockene Schuhe waren damit passé, was uns auf dem restlichen Weg immerhin das ständige drauf Aufpassen nicht in Bäche oder Pfützen zu tappen, ersparte. So ging es dort wo die letzten Male Wege waren durch knöcheltiefe Bäche immer weiter nach oben. Teilweise bis zur Hüfte ging der immerhin wieder eher pudrige Schnee - eine tolle Winterwanderung! Pause machten wir an einem sehr schönen windgeschützten Plätzchen (aus Fehlern lernt man ja) inmitten von dichtem Winterwald mit Aussicht auf eine Bucht im Westen des Trondheimfjordes, über dessen bewölkten Horizont sich ganz knapp die Sonne schob. Kurz bevor uns (gefühlt) die Zehen abfielen, erreichten wir dann ca. eine Stunde später die Hütte.
14 Uhr - Sonnenuntergang vor der Hütte (c)Christian Händisch
Die Aufgabenteilung war gleich klar: Die Jungs schaufelten erst mal eine Fläche vor der Tür und einen Weg zum Klohäuschen frei, um nicht zuviel Schnee in die Hütte zu tragen und Linda versuchte sich am Kamin, der uns schon die letzten Male gefuchst hatte, als er noch kalt war. Auch diesmal sollte erst die richtige Mischung Holz zu Lampenöl den gewünschten Erfolg, Feuer in den Ofen und Wärme in die Hütte bringen. Dann wurde erst mal ausgepackt, Kleidung hierhin gehangen, Brote dorthin, Verderbliches in den "Kühlschrank" (eine Tüte im Vorraum aufgehangen) und so weiter. Leider treiben sich in der Hütte einige Mäuse rum, deren Hinterlassenschaften auch überall zu sehen sind. Von daher war es ratsam alles aufzuhängen, was nicht von den Nagern inspiziert, gefressen oder vollgekackt werden sollte. Durch unser konsequentes Lagermanagement konnten wir das diesmal glücklicherweise vermeiden. Gemütlich verbrachten wir dann den Spätnachmittag mit Lesen, Stricken, Häkeln. Rechtzeitig fingen wir an das Silvester-Abendessen vorzubereiten - Käsefondue aus Deutschland mitgebracht. Nicht nur der Käse für vier Personen haute ordentlich rein, auch die Hitze vom Ofen, der gute Weißwein und Kirsch im Fondue machten sich bemerkbar. Nach dem Essen hauten wir uns erstmal auf die Schlafsäcke und verschliefen beinahe Silvester ;) Christian weckte uns gegen halb 12 auf. Schnell machten wir uns fertig für den kurzen aber knackigen Anstieg zum Hausberg, von welchem wir das Feuerwerk in Trondheim ansehen wollten. Ganz pünktlich waren wir nicht oben, aber das Feuerwerk war dank klarer Sicht trotz recht starkem Regen und Wind und genauso schießwütiger Bevölkerung wie daheim trotzdem noch zu sehen. Die Entfernung (ca. 6 Kilometer über den Fjord) zeigte sich und das Feuerwerk war nur ganz winzig zu sehen. Als das Geballer deutlich weniger wurde, machten wir uns wieder an den halbstündigen Abstieg zur Hütte und fielen dort recht bald wieder in die Federn.
Feuerwerk in Trondheim - winzig in einigen Kilometern Entfernung
Das Motto des nächsten Tages war (eigentlich wie das des ganzen Ausfluges) ausruhen und entspannen. Es wurde ausgeschlafen, ordentlich gefrühstückt (Mittag gegessen), gelesen, gestrickt, gehäkelt, geschlafen, Holz geholt, gesägt, gehackt und wieder geschlafen - kurzum: jeder machte, was ihm gerade Spaß machte. Das Wetter war wechselhaft wie vorhergesagt, aber dank der Höhe (gute 500 Meter über dem Fjord und den Wetterstationen) fiel wenn dann Schnee. Christian versuchte sich an Katzenwäsche am Schmelzwasser-gefüllten Bergbach, brach dann in den Schnee an der Uferkante ein und aus der Katzenwäsche wurde wohl eher ein Vollbad. Das schreckte uns als potentielle Nachahmer erst mal ab. Abends kochten wir uns Reis mit Gemüse, was sich mit den Hüttenmitteln als Abendfüllende Tätigkeit erwies. Anschließend brachte uns Christian Skat bei und wir zockten bis spät in die Nacht ;)
nächtliche Langzeitaufnahme mit teils klarem Himmel und Sternen 
Schnee hatten wir genug - gut, dass wir dank geschaufeltem Weg auch in der Nacht gut fast trockenen Fußes bis zum Klohäuschen finden konnten
Der dritte Tag war ähnlich faul. Nur Holz mussten wir noch einiges machen, da wir über drei Tage lang doch einiges an den kleinen Ofen verheizten. Einen recht beträchtlichen Stapel konnten wir am Ende der Aktion vorweisen und Dank des kurzen norwegischen Tages mit Fug und Recht behaupten, den ganzen Tag lang Holz gemacht zu haben ;) Anschließend aufwärmen, Buch und Bett. Währenddessen widmete sich Linda dankenswerter Weise mit viel Zeit dem Geschirrstapel. Für Hüttenverhältnisse konnten wir anschließend mit fast klinisch sauberem Besteck essen. Für André hieß es dann auch endgültig Waschtag, allerdings mit warmen Wasser aus dem Topf. Abends wurde wieder groß gekocht uns es gab sehr gelungene Spaghetti al' Arrabiata. Nachdem wir bis spät nachts unsere Skatkentnisse vertieft hatten, stiegen wir wieder in unsere Hochbetten und stellten für den nächsten Tag den Wecker - das Lotterleben hatte fast ein Ende ;)
Holzhacken mit frisch geschärfter Axt, dank mitgebrachtem Schleifstein (c)Christian Hänisch
Ausbeute einiger Stunden Arbeit - Hauptsache Spaß hat es gemacht.
Unter ständiger Beobachtung: die Spaghetti ;)
Um neun Uhr klingelte der Wecker zum Aufbruch. Ein letztes Mal die Glut von der Nacht zum Teeheizen anfachen, gemütlich frühstücken und dann entspannt zu dritt die Hütte säubern war angesagt. Der Plan war die Fähre um halb drei zu erwischen, um nicht zu spät nach Hause zu kommen. Gesagt getan: um viertel nach elf hatten wir gepackt, geputzt und waren fertig zum Aufbruch nach Hause. Um die nassen Füße auf der Fähre und dem Rad zu vermeiden, entschieden wir uns den Rückweg direkt entlang eines Baches durch steiles Gelände zum Fjord zu nehmen und dort an der Straße entlang zur Fähre zu marschieren. Der Plan ging auf und wir kamen beinahe trockenen Fußes unten an und das sogar noch so, dass wir fast die Fähre eine Stunde eher erwischen konnten. Dafür mussten wir allerdings einige sehr steile Passagen in Kauf nehmen, die durch den Schnee (je weiter unten desto nässer) auch nicht besser wurden. Vorsichtig kletterten wir also durch den Wald, querten an Kanten bis wir wieder halbwegs machbare Stellen zum Abstieg fanden, überquerten den ein oder anderen Bach (teils in recht luftiger Höhe) und hatten aber immer eine tolle Aussicht nach unten, Wasserfälle oder den unter tiefen Schnee begrabenen Winterwald zu bestaunen. Heil unten angekommen (zwischendurch hatten wir auch mal einen Waldweg gefunden, der uns aber nicht direkt genug und zu langweilig war ;) ) versuchten wir noch die Fähre um halb zwei zu erwischen, was sich dann aber um wenige Minuten nicht ausging. So gabs noch ein paar Äpfel vom Supermarkt am Fähranleger und genügend Zeit um unsere Wegzehrung und die letzte Schokolade gemeinschaftlich zu verdrücken.
Nicht die leichteste Route haben wir uns für den Rückweg rausgesucht ... (c)Christian Hänisch
... aber eine mit vielen kleinen Highlights. "Der spaßige Weg" eben.
Warten auf die Fähre - kalt aber immerhin wettergeschützt. (c)Christian Hänisch
In Trondheim angekommen fuhren wir mit den Rädern wieder hoch nach Moholt, wobei die Straßen bereits wieder mit Eis und Schnee bedeckt waren. Christian hatte ja keine Wohnung mehr und übernachtete noch ein letztes (halbes) Mal bei uns. Endlich wieder daheim, gabs die lang ersehnte heiße Dusche. Zeitgleich fingen wir an einen Berg Pfannkuchen zu backen. Bis der gemacht und gegessen war, war es bereits deutlich nach 20:15 und wir sahen uns einen Tatort an. Wir verabschiedeten uns noch von Christian, der wenige Stunden später um 4 Uhr mit dem Bus zum Flughafen fahren und von dort wieder nach Deutschland fliegen musste (und deswegen in Andrés Zimmer schlafen ging) und gingen dann auch bald ins Bett.

Wir wünschen allen noch ein Gutes Neues Jahr!

Samstag, 13. Dezember 2014

Der Tag an dem der Winter kam ...

(Montag, 8. Dezember)... begann für uns mit dem grandiosen Plan, eine Cabintour auf die Kamtjønnkoia zu machen. Die Hütte des Uni-Sportvereins NTNUI hatte sich Christian (mit dem wir schon von Sonnvasskoia zu Nicokoia unterwegs waren) vorgenommen, um mit seinem Bruder Lukas, der zu Besuch war, auch eine solche Tour gemacht zu haben. Die Hütte ist die höchstgelegene aller Hütten, die man über die NTNUI besuchen kann, nämlich auf 1200 m. Wir vermuteten, dass es in den nächsten Wochen bestimmt schneien würde und dass man die Tour dann nicht mehr ohne weiteres machen kann. NTNUI behält sich aufgrund der Lage der Hütte sogar vor, die Buchung bis zum Tag vorher zu stornieren, wenn die Wetter und Schneeverhältnisse zu kritisch sind. Noch waren jedoch nur wenige Zentimeter Schnee im Schneebericht verzeichnet und auch der Wetterbericht sagte zwar Temperaturen um die minus acht Grad vorher, aber sonst keinen nennenswerten Niederschlag und sogar nur leichte Bewölkung.

Dazu ließen wir uns natürlich nicht zweimal einladen und am Sonntag kochten wir bereits das Abendessen für die Hütte vor, Linda musste sich am Montag Morgen in der Uni noch einen Platz für die Hütte buchen, Christian und Lukas mieteten ein Auto der Poloklasse und André kaufte noch Lampenöl und Streichhölzer zum kochen. Gegen halb zehn waren wir fertig mit allem und trafen uns vor unserem Haus in Moholt. Der "Polo-Klasse"-Wagen entpuppte sich als neue A-Klasse und so starteten wir recht komfortabel bei bestem Wetter von Trondheim nach Oppdal.

In Oppdal waren wir auch schon bei unserem ersten Ausflug mit dem Sprachkurs. Der Skiort liegt auf ca. 600 Metern über dem Meer und an/in der bekannten Berglandschaft "Trollheimen". Schnee lag nur wenig -nicht viel mehr als in Trondheim- und die Skibetreiber versuchten offensichtlich mit massiven Einsatz von Schneekanonen wenigstens einige Pisten zu präparieren. Nach einem kurzen Zwischenstopp im Supermarkt ging es weiter in eines der Seitentäler. Dort entschied sich, ob man nur den Winterparkplatz an der Südspitze des dortigen Gjevilvatnet (ein großer See, an dem die Wanderung beginnt) oder noch den Sommerplatz an der Nordost-Ecke des Sees nutzen kann. Von Winter zu Sommerparkplatz muss man 12 Kilometer auf einem Schotterweg gehen, von daher waren wir sehr froh, dass wir bis zum Sommerparkplatz fahren konnten. Der Weg machte einen halbwegs griffigen Eindruck und hatte nur zwei größere Steigungen. Am Parkplatz angekommen (gegen 13 Uhr) machten wir unsere Ausrüstung fertig, wechselten in die Wanderschuhe und traten mit einem kurzen Blick auf die Karte unseren Weg durch die typischen Birkenwäldchen in Richtung Baumgrenze an.
"Polo-Klasse"
Unser Parkplatz: wenige Zentimeter Schnee auf massiver Eisplatte
Immer an einem Bachlauf beziehungsweise zwischenzeitlich einer Schlucht, in der der Bach lief, entlang ging es auf recht kurzweiligen und gut eingelaufenen Wanderwegen weg vom See in Richtung Nordwesten. NTNUI gab eine Gehzeit von vier Stunden an und so versuchten wir sehr zügig voranzukommen, um möglichst wenig unserer Wegstrecke im Dunkeln zurücklegen zu müssen (Dämmerung ab halb 3, komplett Dunkel gegen 4). Kurz nachdem wir die lichten Wäldchen hinter uns gelassen haben, kreuzten sehr viele Tierspuren unseren Weg. Wenig später sahen wir die zugehörigen Rentiere. Eine Herde trieb sich an einem leichten Hang entlang unseres Weges herum und wirkte -immer mit respektvollem Abstand- eher neugierig als verschreckt.
Mittagssonne
Rückblick zum Gjevilvatnet. Die Strecke hätten wir laufen müssen, wenn der Sommerparkplatz nicht mehr zu erreichen gewesen wäre.
lange Schatten, den ganzen Tag über
erste Ansammlung von rentieren, die man eventuell als Herde bezeichnen könnte
Gemäß Wegbeschreibung mussten wir bald den Bach kreuzen und entlang eines weiteren Baches Richtung Westen auf eine relativ schmale Schlucht zulaufen. Nach der Bachüberquerung (aufgrund anhaltender Minusgrade in den letzten Wochen, war der zugefroren und eher die Frage ob da nicht Luft drunter sein könnte) machten wir eine kurze Essenspause. Bevor uns richtig kalt werden konnte (um die minus 7 Grad) gingen wir weiter. Immer wieder machten uns gefrorene Sumpf-tümpel und Zuläufe zum Bach den Weg zur Rutschpartie.
Bachüberquerung zur Halbzeit
Ein bisschen wie Mordor mit Schnee ;)
Immer noch gut im Zeitplan erreichten wir vor der Schlucht das Holzlager. Da die Hütte so hoch und hinter der recht engen Schlucht liegt, kann selbst im Winter kein Holz mit motorisiertem Gerät zur Hütte gebracht werden. Daher muss das Holz die letzen ca. 400 m zur Hütte getragen werden. Leider war das Holz wieder auf der anderen Seite des Baches. Diesmal war die Strömung stärker und das Eis dünner und die Überquerung nahm einige Zeit in Anspruch. Jeder nahm ein bis drei der knapp zwei Meter langen Holzprügel, band sich an den Rucksack was kurz genug war und versuchte wieder zurück zum Weg zu kommen. Mit Holz dauerte dies diesmal noch etwas länger und in der Zwischenzeit zog zusätzlich zur erwarteten Dämmerung ein unerwartet starker Wind auf, der den lockeren Schnee umherreise. Nach und nach begann es zudem immer mehr zu Schneien. Durch die Schlucht kletterten wir recht schnell hoch und fanden oben einen (den kleineren von zwei Seen) vor. Diesem wollten wir gemäß Wegbeschreibung gegen den Uhrzeigersinn umgehen. Leider waren etliche Zuflüsse gefroren, überfrorenen und dadurch immer breiter geworden, so dass wir es nur mit Mühe über den ersten "Bach" schafften. Am zweiten war die schräge Eisfläche so glatt, dass wir am Berg hochstiegen, um weiter oben über eine griffigere oder schmalere Stelle über den Zulauf zum See zu steigen. Dann wurde es komplett dunkel, der Schneefall und Wind war inzwischen zum Schneesturm geworden und wir hatten auch schon ohne steilen Hang und Eis genügend damit zu tun uns gegen den eisigen Wind vorzukämpfen. Einige weitere "Bach/Eis-überquerungen", Krabbelpartien und viel Herumgetaste, waren wir immer noch nicht komplett um den See herum und wussten auch nicht mehr wie das Gelände auf dieser Seite des Sees aussah. Dass das Kartenraster die meisten schmalen aber steilen und gegebenenfalls auch tiefen Schluchten einfach unter den Tisch fallen lässt, haben Christian und André ja bereits bei ihrer letzten Wanderung recht deutlich festgestellt und wir packten vorsichtshalber die Stirnlampen aus. Damit konnten wir jetzt zumindest genauer erkennen wo wir hintraten, verloren aber wegen des dichten Schnees jede Landmarke aus den Augen. Schritt um Schritt stiegen wir sehr vorsichtig weiter am Hang entlang in Richtung nächster "Schlucht" die vom kleinen zum größeren See führt. Bei jedem Schritt galt es zu testen ob unter der Schneeschicht nicht schon wieder blankes Eis war, das eine schmerzhafte Rutschpartie bis zum See runter bedeuten könnte, oder abzuwägen, ob die Windböen tatsächlich einen Schritt zuließen. Einige Zeit später stellten wir dank Blick auf den Kompass fest, dass wir in der "Schlucht" sein mussten und wenige Schritte später, dass der Hang bereits wieder in eine andere Richtung zeigt. Eigentlich sollten wir laut Karte an der Hütte angekommen sein. Im Radius unserer Lampen war jedoch nichts zu sehen, waren ja auch nur 10 m. Nachdem Christian das GPS seines Handys angemacht hatte, machten wir kurz unsere Stirnlampen aus, um eventuell in der Dunkelheit wieder Schemen zu sehen. Glücklicherweise half uns das dann auch schon die Hütte nur wenige Schritte bergab entfernt stehen zu sehen. Schnell die Richtung gemerkt, Lampen wieder angemacht, abgelegtes Holz aufgesammelt und die wenigen restlichen Schritte bis zur Kamtjønnkoia gegangen - endlich da! Zweieinhalb Stunden hatten uns die ca. 400 Meter gekostet und einiges an Nerven...
Linda
Lukas
Christian
André
Drinnen hatte es natürlich Außentemperatur, aber dank einiger Erfahrung mit den Öfen und Kochern der Cabins hatten wir die super gebaute und isolierte Hütte binnen einer Stunde um knapp 30 Grad wärmer geheizt. Auch das Essen, die vorbereiteten Spaghetti Bolognese in ausreichender Quantität, waren warm. Nach dem Essen begannen wir Schnee zum Trinken zu schmelzen (hinlänglich bekannt aber trotzdem interessant zu sehen: selbst im Topf komprimierter Schnee hat zum Wasser ein geschätztes Volumenverhältnis von 1 zu 15). Die Abendgestaltung fiel recht ruhig aus: wir lasen die Einträge diverser Hüttenbücher seit 1945 durch - ein sehr kreatives Wandervolk. Letzter Tagesordnungspunkt vor dem Zu-Bett-Gehen: wer steht wann auf um Holz nachzulegen? Alle zwei Stunden ließ sich abwechselnd einer von uns wecken, um den Ofen mit wenigen Scheiten zu füttern, so dass wir in der früh nicht bei Kälte aufstehen und erst neues Feuer machen müssen.
Abendprogramm: Hüttenbucheinträge seit den 40ern
letzte Amtshandlung des Tages: gemeinschaftliches Zähneputzen ;)
Das klappte auch halbwegs und wir wachten in einer fast warmen Hütte und bei wieder ruhigem Wetter auf. Nach dem Frühstück (mit lecker aufgewärmten Spaghetti vom Vorabend) machten wir das Holz, das wir mühsam mit hoch geschleppt hatten, ofenfertig und lagerten es in die Hütte zum Trocknen ein. Geschirr musste gespült, alles für den Rückweg gepackt und die Hütte rausgekehrt werden. Um vor dem Rückweg noch die Notdurft zu verrichten, musste erst das Klohäuschen vom Schnee befreit werden (innen!). Der Schneesturm hat den Schnee durch die Fugen in das Häuschen gedrückt, so dass  am Morgen mehr Schnee drin als drumherum lag. Erst gegen halb eins waren wir mit allem fertig und machten uns auf den Rückweg. Zurück gingen wir (entgegen der Wegbeschreibung) an der Südöstlichen Kante des Sees, wo es keine Zuflüsse gab und liefen die meiste Strecke direkt auf dem See, auf welchem der Wind über Nacht 30 bis 40 cm Schnee abgeladen hatte und uns das rutschfreie Gehen darauf ermöglichte. Am Abfluss des Baches der uns bis zum Parkplatz begleiten sollte trauten wir uns nicht über den See auf die richtige Seite zurück und krabbelten lieber über eine gut zwei Meter hohe gepresste Schneewehe, die die enge Schlucht komplett auffüllte. So schafften wir es nach ca. 20 Minuten die von der Hütte bis zum Ende der Schlucht, was am Vortag noch 2,5 Std. gedauert hatte. Danach war es eine gemütliche Winterwanderung, mal durch hüfthohen Schnee, mal über abgewehte Hügel im sonstigen Sumpf, mal über kleinere oder größere Eisflächen (auf welchen wir aber wenigstens weich fielen). Geschätzte zwanzig bis dreißig Zentimeter Schnee hatte es in der Nacht gegeben und das verschneite Auto sollte unserer Schätzung später recht geben. Die Rentierende war immer noch an Ort und Stelle und beachtete uns diesmal sogar noch weniger als am Vortag. Gegen Ende der Wanderung liefen wir durch einen tollen verschneiten Birken-Winter-Wald. Nach nur gut drei Stunden waren wir wieder am Auto, pünktlich zu Beginn der Dämmerung.
obligatorisches Hütten-Gruppen-Bild
Der erste Teil des Weges war noch komplett unberührt und das Auto hatte seine Mühe mit dem hohen Schnee und dem Eis drunter. Beim zweiten Anlauf packten wir den ersten Hügel und nach ein paar hundert Metern fuhren wir zum Glück auf einen gefrästen Weg. Den Rest des Weges brachte uns Christian sicher nach Hause.

Alles in allem eine sehr schöne Cabintour mit leicht abenteuerlichen Elementen.

Samstag, 6. Dezember 2014

Ende des Herbstsemesters

Mit der heutigen Abgabe unserer letzten Ausarbeitung, endet unser Herbstsemester an der NTNU. Nach einer zähen Woche, habe wir beide unsere gut zehn-seitigen Aufsätze zum Thema "Kooperationstechnologien und Soziale Medien" abgegeben. Als Belohnung sind wir dafür heute gleich mal André's klasse Geburtstagsgeschenk einlösen gegangen: in eines der Sushi-Restaurants Trondheims. Es war sehr lecker! Wir hatten grünen Tee, Miso-Suppe, Spezialitäten-Platte und gebackenes Eis und können das Gesamtpaket, so wie es ist, uneingeschränkt weiterempfehlen für alle, die mal das Vergnügen haben, Trondheim zu besuchen ;) Besonders zu empfehlen ist Sushi mit Lachshaut, auch wenn es etwas komisch klingt. Vielen Dank für das Geschenk, Annette und Rudi!

André war etwas schneller mit seiner Abgabe und hatte bereits vorherige Nacht nichts mehr zu tun. Daher hatte er Zeit ein Motivationsessen für Linda und einfach nur ein gutes Abendessen für sich selbst zu kochen ;)
Alles ab-so-lut rund auf dem Teller - das Motto des Essens
Anschließend ist er bei wolkenlosem Himmel (zum ersten Mal seit längerem, und laut Vorhersage auch nicht so bald wieder) gegen 10 Uhr Abends mit dem Rad nach Bymarka hochgefahren, um dort den Nachthimmel und Trondheim von oben zu fotografieren und bis zum nächsten Tag zu biwakieren. Leider hat er sich zu dick eingepackt und kam ziemlich verschwitzt oben an, zumal ab der Hälfte der Strecke entgegen jeder Vorhersage deutliche Nordlichter zu sehen waren und Eile angesagt war. Der (fast-)Vollmond machte Fotos vom Nachthimmel leider witzlos, aber beim Wandern Taschenlampen unnötig. Bis die richtige Stelle gefunden, die Kamera auf- und eingestellt war, war der beste Teil des Nordlichtkinos leider schon vorüber. So verschwitzt wurde es leider sogar im Biwacksack nach wenigen Stunden zu kalt und André packte die Reservekleidung aus (Skihose, Regenjacke, Winterhandschuhe) und machte sich auf den Rückweg zum Rad und dann auf die lange Abfahrt zurück nach Trondheim.

Fazit des Ausflugs: Nicht nur auf Wetter und Polarlichtvorhersage achten sondern auch auf den Mond. Bewegungsgerechtere Kleidung beim Radfahren den Berg hoch. Zusätzliche Isolation zum Boden mit in den Biwacksack packen, vor Allem wenn man nicht auf den buschigen Mosen am Rand der Moore liegen kann.
Ausblick vom ersten potentiellen Nachtplatz: Nordlichtstreifen und vom Mond beleuchteter Vordergrund.
Hinter der Radarstation gehts ab (sogar leicht rote Streifen waren zu sehen) also schnell den Lagerplatz umziehen.
15 Minuten später: neuer Platz, kein rotes Licht mehr, Aurora schon deutlich weniger lebendig und auch noch falsche Kameraeinstellungen 
Vom Fjord zieht Nebel auf, leichte Wolkendecke schiebt sich von Süden rüber, es wird kalt - Zeit abzubrechen.