Sonntag, 22. März 2015

Sonnensturm, der Zweite

Nachdem am Dienstag Sonnenwinde vorhergesagt wurden, deren Auswirkungen bis Süddeutschland reichen sollten, prüfte André stündlich den Wetterbericht für die Nacht. Als abends klar war, dass es halbwegs wolkenlos bleiben sollte und wir auch noch nahe am Neumond waren, brachen wir gegen 9 Uhr mit den Rädern auf in Richtung Estenstad. Dabei waren Biwacksäcke, Schlafsäcke und Isomatte, um es möglichst lang bei Temperaturen um Null Grad im Wald auszuhalten. André hatte seine Kamera dabei und praktischerweise auch Stativ und Kamera, die er für seine Masterarbeit zur Verfügung gestellt bekommen hat. Beim Hochfahren war die Lysloipa (beleuchtete Langlaufstrecke) noch an, auf der aber nur ganz oben noch etwas Schnee bzw. Eis lag. Wegen des Eises ließen wir die Räder in der Nähe der Estenstadhütte stehen und gingen zu Fuß weiter weg von der Stadt, bis wir auf dem Munken angekommen waren. Rund um die Kuppe ist die Sicht in alle Richtungen relativ frei und bot einen hervorragenden Überblick auf die Stadt. Leider wehte neben den Sonnenwinden auch noch der normale Wind, sodass es uns dort oben ordentlich durchfror. Aber die Sicht war es wert, besonders als dann um 11 die Lysloipa ausgemacht wurde. Mal eher dezent, mal sehr hell, mal sehr detailliert und mal sehr breit spielte das Nordlicht vor sich hin. Am Anfang zogen die Schleier eher langsam vor sich hin, zwischendurch zeigten sich spektakuläre Formationen direkt über uns. Wirklich jede Form der Aurora konnte an diesem Abend beobachtet werden. Je später desto schneller veränderten sich die Lichter, bildeten wir uns zumindest ein. Bis um 2 hielten wir es aus. André hopste ständig über die Lichtung, um die besten Fotos zu machen, während Linda sich irgendwann komplett in ihren Schlafsack verkroch und einschlief. Gemütlich machten wir uns auf den Rückweg, immer noch umgeben von großflächigen pulsierenden Flecken am Himmel.
Feiner Vorhang im Norden. (1/2 sec f1.4 ISO3200)
Wie Flammen umspielten die Lichter die freistehenden Bäume um den Munken (wie hier Richtung Süden).
(2 sec f1.4 ISO1600)
Korona direkt über uns. (1/8 sec f1.4 ISO6400)
 (1/8 sec f1.4 ISO6400)
 (1/8 sec f1.4 ISO6400) 
 (1/8 sec f1.4 ISO6400) 
 (1/8 sec f1.4 ISO6400)
Großflächiges grünes Schimmern im Süden.  (1/4 sec f1.4 ISO6400)
Feine Linien zogen sich über Trondheim im Westen.
 (1 sec f1.4 ISO1600)
Höhenabgestuftes mehrfarbiges Polarlicht im Süden, als ob es mitteilen wollte, dass es bis nach Deutschland zu sehen ist ;)
 (0.7 sec f1.4 ISO6400)
Sehr intensives Band, das sich recht zügig vorbeischlängelte.
 (0.5 sec f1.4 ISO3200)
 (0.3 sec f1.4 ISO3200) 
 (0.3 sec f1.4 ISO3200)
Auch etwas später gab es nochmal eine sehr helle Korona zu sehen, die aber so groß war, dass sie nicht vom 35mm Objektiv erfasst werden konnte.  (0.3 sec f1.4 ISO3200)
 (0.3 sec f1.4 ISO3200) 
 (0.3 sec f1.4 ISO3200)
Pulsierende Korona kurz bevor wir uns auf den Rückweg machten.
 (0.5 sec f1.4 ISO6400)
 (0.5 sec f1.4 ISO6400)
Linda, die sich nach Chips und Tee "im Bett" in den Schlafsack zurückgezogen hatte und nur noch zu den echten Highlights die Nase rausstreckte, wenn André sie weckte. (1/30 sec f1.4 ISO6400)

Zeitraffer-Video mit 4 Bildern pro Minute aufgenommen.


Alle Bilder wurden mit einer Canon EOS 5D Mark III und dem Canon EF 35 mm f/1.4L USM Objektiv aufgenommen und in Photoshop Lightroom nachbearbeitet. Das Timelapse-Movie wurde mit 15 Sekunden Intervallen aufgenommen (f1.8, ISO 800, 4 Sekunden Belichtung im ersten teil danach 10 Sekunden Belichtung). Die Abspielgeschwindigkeiten variieren.

Søndagsdykk nach Børsa

Letzten Sonntag ging es für André wieder mal zum Tauchen. Linda hatte diese Woche eine Präsentation und musste dafür noch die Folien vorbereiten und aussetzen. Das Ziel des Ausflugs war wieder einmal Børsa, diesmal jedoch nicht das Wrack, sondern eine Wand wenige hundert Meter vor dem anderen Tauchplatz. Bereits auf der Anfahrt begann Arne etwas zu jammern, weil sich bei Windstille und freiem Himmel über Nacht eine dünne Eisschicht auf dem Fjord gebildet hatte. Unter Wasser hatte sich eine Schicht Schlick auf dem Boden abgesetzt, der selbst bei vorsichtigsten Bewegungen sofort für null Sicht sorgte. Nichtsdestotrotz hatten wir einen schönen Tauchgang bei dem es einige Krabben und Anemonen an der Wand zu sehen gab.
Arne und ein verrosteter Anker vor der Wand. Schlick machte das Photographieren noch etwas komplizierter als üblich.
Farbenfrohe Anemone mit Deadmans Finger und vielen weiteren Filterern.
fröhlich stachlige Seegurke

Mittwoch, 18. März 2015

Wohnungsbesichtigung

Da wir leider nicht bis zum Ende unseres Aufenthaltes im Studentenwohnheim wohnen können, haben wir bereits seit Anfang des Jahres nach Wohnungen Ausschau gehalten. Durch die hohen Mietpreise war das jedoch nicht allzu leicht. Im Vergleich dazu ist München nämlich eher noch moderat. Nach gut zwei Monaten haben wir die erste Wohnung gefunden, die unseren Ansprüchen entspricht. Zugegeben, die Ansprüche waren jetzt auch nicht sehr gering, aber leider ein Muss: nicht zu weit weg von der Uni, weil wir Fahrradfahren müssen und bei den Steigungen hier auch kurze Strecken schon mal länger dauern können, zwei Räume, um getrennt arbeiten zu können, voll möbliert und das Wichtigste: nicht viel teuerer als das Studentenwohnheim.

Nach erstem Zögern aufgrund der Mietdauer, die bis in die Mitte des Semesters reicht, konnten wir die Vermieterin doch noch davon überzeugen, dass wir die perfekten Mieter sind. Also machten wir uns Dienstag Abend auf den Weg nach Byåsen, dem Stadtteil unterhalb von Bymarka, wo auch die Studenterhytta liegt. Daher wussten wir bereits, dass es bis hoch zur Wohnung recht steil bergauf geht. Aber das ist mittlerweile auch für Linda kein Problem mehr. Denn nichts ist besser als die Aussicht bald nicht mehr mit den schrecklichen Mitbewohnern leben zu müssen, die einfach immer das Bad blockieren und einen Schweinestall hinterlassen (auch in der Küche). Abgesehen davon wird man oben mit einer wunderschönen Aussicht über die Stadt inklusive Fjord belohnt.

Empfangen wurden wir von einer netten Frau Anfang fünfzig, die uns gleich in die Wohnung an einem Ende des großen, schönen, alten Hauses von 1904 führte. Dem kleinen Eingangsbereich folgte direkt die voll ausgestattete Küche inklusive Backofen, Induktionsherd, riesigem Kühl- und Gefrierschrank und Waschmaschinen-Trocknerkombination. Zum eher winzigen Bad mit Dusche ging eine Tür ab. Zum anderen Zimmer gelangte man über eine kleine Treppe mit halben Stufen. Oben angekommen fanden wir einen langexogenen Raum. Auf der einen Seite unter der Dachschräge befand sich ein großes Bett samt zwei Nachttischen. Am Ende des Bettes sorgte ein Kleiderschrank für die Raumtrennung zum Wohnzimmer, wo eine Couch und eine Anrichte mit Fernseher waren. Leider gab es noch keinen Schreibtisch, aber da die vier Kinder der Vermieterin nun alle ausgezogen waren, meinte sie, sie hätten sowieso alles, sodass sie uns einfach einen reinstellen könnten.

Somit konnten wir nicht ausmachen, was uns fehlte. Die schon ziemlich kleine Wohnung wurde clever eingerichtet, sodass wir uns gleich dazu entschließen zuzusagen. Draußen gab es sogar noch einen kleinen Abstellraum. Bis zur Zusage seitens der Vermieterin mussten wir noch bis Mittwoch Morgen warten, da ein weiteres Mädchen sich die Wohnung noch anschauen wollte. Uns spielte in die Karten, dass wir Studenten sind, da die Vermieterin am liebsten Studenten als Mieter haben wollte "an Stelle von Erwachsenen", damit absehbar ist, dass sie nicht zehn Jahre blieben. Auch wenn André später anmerkte, dass es gut sei, dass sie nicht wisse wie alt wir wirklich schon sind ;)

Nun haben wir bereits den Mietvertrag unterschrieben und die der Studentenzimmer gekündigt. Nach Ostern gehts dann nach Byåsen, worauf sich vor allem Linda besonders freut!

Damenes Aften

"Damenes Aften" (Damenabend) ist eine Tradition der Dykkergruppa, bei der von den Männern der Gruppe ein gemütlicher Abend für die Frauen im Klubkeller vorbereitet wird. Dies fand seinen Ursprung darin, dass es früher kau Frauen in der Dykkergruppa gab und sich die Männer bei ihnen bedanken wollten, dass sie sie immer aushalten. Nach mehrwöchiger Planung trafen sich einige der Männer und André im Keller, um diesen sauber zu machen und zu dekorieren. Einen Freitag Nachmittag und Abend lang wurde der Keller geschrubbt wie noch nie und anschließend gemäß dem Thema des Abends "rot und schwarz" dekoriert. Am Samstag wurde eingekauft und vorgekocht. Ab drei Uhr trafen sich dazu sechs Mitglieder der Tauchgruppe die den Abend über servieren sollten und ein weiterer, der das Menü kochte.

Linda, die bis dahin noch nicht so recht einschätzen konnte, was sie erwartet, hatte sich bereits ein Kleid und Schuhe von Anne geliehen. Denn so viel war klar: in Jeans und Wanderschuhen konnte man dort nicht auftauchen. Am Samstag machte sie sich gegen 6 auf den Weg zum "Dypet" (Klubkeller) in ungewohnt schickem Aufzug. Doch das war auch gut so, denn bereits draußen warteten Kerzen am Wegesrand und bald begann der rote Teppich, den die Männer am vorherigen Abend genäht hatten. Von den nett in rot und schwarz gekleideten Herren, wurde zunächst eine Rose und dann ein Glas Sekt überreicht. Natürlich wurde die Jacke auch gleich abgenommen und man hatte Zeit, die tolle Deko, ebenfalls in rot und schwarz, zu bewundern. Die Männer hatten unnütze Durchgänge und einige Wände verhangen und die Couches rot und schwarz bezogen.

Linda und die elf weiteren Mädels, die bis auf Ida alle hauptsächlich vom Unterwasserrugby kamen, hatten nun Zeit die Kulisse auf sich wirken zu lassen und entdeckten z.B. Klingeln mit der Aufschrift: "Ring for SEX Wine". Das ließen wir uns natürlich nicht zwei mal sagen. Und so wurde mit dem ersten Gang, Steinpilze gewickelt in geräuchertem Schinken, erst ein mal Weißwein serviert. Danach ging es weiter mit Dorsch auf Erbsenmus mit Schmand - mal was anderes und sehr lecker. Dank reichlich Weinnachschub wurde die Stimmung immer ausgelassener. Aber auch die Jungs wurden von Gang zu Gang immer freizügiger. So wurde der zweite Gang noch mit nur aufgeknöpftem Hemd serviert, während es nun zum dritten Gang schon nackte Oberkörper zu bestaunen gab. Es gab super leckeres Fleisch, das recht rot war, aber nicht eindeutig zu identifizieren. Es war auf jeden Fall auf den Punkt angebraten und super zart. Dazu wurde grüner Spargel gereicht zusammen mit Kartoffel-Rettichmus und kleinen lecker süßlich angebratenen Zwiebeln. Mittlerweile waren wir auf Rotwein umgestiegen. Zwischenzeitlich hatten einige Mädels das Vergnügen, den Jungs Schokolade vom nackten Oberkörper zu lecken. Aber das war noch nicht der Nachtisch ;) Der kam danach in Form von Orangensorbé, das wahrscheinlich mit Alkohol versetzt war.

Das waren dann nun vier Gänge und die Hosen der Jungs waren nun auch gefallen. Wir waren schon sehr zufrieden mit dem bisherigen Abend und vor allem mit dem Menü. Nun folgte ein Quiz über diverse Themen wie Tauchen und Sport. Krönender Abschluss war ein Liederraten, bei dem der Refrain des vorgespielten Liedes so schnell wie möglich mit eingeatmetem Helium gesungen werden musste. Danach kam eine weitere Überraschung: Ein Schokoladenbrunnen mit reichlich Obst wie Ananas, Äpfeln und Melone, Marshmallows und am besten: Windbeuteln! Und es gab drei mal Nachschub. Somit waren wir dann letztendlich mehr als zufrieden und wohl gesättigt.

Im Anschluss konnten wir dann im vorher abgetrennten Bereich "Shades of Gray" spielen und bald kamen die Jungs, die parallel in der Nähe bereits vorgetrunken haben. Einige gingen in die Sauna, was Linda nicht so gut verkraftet hat. Danach wurde das Trinkspiel der Tauchgruppe "Rose" gespielt, wo so einige Flaschen Bier geleert wurden. Erst gegen drei machten wir uns so langsam aber sicher auf den Heimweg, der ja zum Glück nicht allzu lange war.

Dienstag, 10. März 2015

Dykkelederkurs

Vor einiger Zeit bot der Tauchclub der Uni einen "dykkelederkurs" (Tauchleiter-Kurs) für 5 Personen an. Der norwegische Tauchverband stellt dafür einige Vorgaben und Unterlagen bereit. An einem Mittwochabend trafen wir uns mit dem Ausbilder der Tauchgruppe in der Uni und besprachen alle wichtigen theoretischen Aspekte bei der Planung und Ausführung von Tauchgängen in Gruppen. In vier Stunden diskutierten wir uns quer durch Umweltfaktoren wie Strömungen, Wind, Wellen, Sicht unter Wasser, menschliche Faktoren wie Ausbildungsstände und Gruppenbildung, Infrastruktur (Anfahrtswege und Landemöglichkeiten für Rettungsmittel, Ein-und Ausstieg aus dem Wasser, Erreichbarkeit per Boot) und einiges mehr, was zur Planung eines Tauchgangs gehört. Außerdem wurde großes Augenmerk auf die Sicherheit während das Tauchgangs gelegt, also wie die Taucher eingewiesen werden sollten, wie und durch wen der Tauchgang beaufsichtigt wird, welche Rettungsmittel zur Verfügung stehen müssen und letztendlich auch wie man im Falle des Falles tatsächlich handelt. Abschließend wurden gängige Tauchunfälle, deren Symptome und Maßnahmen vorgestellt und praktisch geübt.

Alles in allem muss man sagen, dass man sich das meiste mit etwas gesundem Menschenverstand und dem Erste-Hilfe Kurs vom Führerschein herleiten konnte, aber nichts desto trotz war die Wiederholung und Zusammenfassung recht interessant. Da das Material auf norwegisch war und der Ausbilder, wenn es ihm auf Englisch zu langsam ging zum Norwegischen wechselte, konnten wir auch sprachlich noch etwas mitnehmen. Sehr interessant war auch die unterschiedliche Mentalität im Vergleich zu daheim, als es um die Frage des "Selbst-Transportierens nach einem Unfall" ging. Während daheim tendenziell bis dringend davon abgeraten wird eine verletzte/verunfalle Person ins Krankenhaus zu fahren, ist es in Norwegen Usus das selbst zu übernehmen oder zumindest dem Krankenwagen entgegen zu fahren, da die Wege auf Grund der geringen Siedlungsdichte und Abdeckung einfach zu lang sind und ein luftgestützter Transport bei jedem Notfall natürlich nicht funktioniert.

Eifriges Vorbereiten am altbekannten Tauchplatz "Texaco Brygge" unweit von Trondheim.
Bestes Wetter mit Sonne, die es wegen des niedrigen Stands allerdings nicht bis zu uns über den Berg schaffte.
Am darauf folgenden Samstag sollten wir die Theorie dann gleich in die Praxis umsetzen. Reihum sollte jeder einmal der "dykkeleder" sein, während zwei andere einen kurzen Tauchgang machen, der in einem "Schadenszenario" endet. André war von der Ålesundtur leider immer noch erkältet, sodass er tauchtechnisch leider aussetzen musste. Begonnen wurde mit der Einweisung der Taucher durch André, der als erstes den Tauchleiter gab. Zwei routinierte Taucher, die außerhalb des Kurses dabei waren, gingen derweil ins Wasser. Als die Besprechung der Vorbereitungen fast abgeschlossen war, spielten die beiden einen Tauchunfall vor, auf den wir dann reagieren mussten. Die beiden "bewusstlosen" Taucher wurden aus dem Fjord geborgen, deren Ausrüstung abgelegt (bei der schweren technischen Ausrüstung gar nicht so einfach) und sie an Land gebracht. Dort wurden sie als Verletzte behandelt, beziehungsweise die Reanimation inklusive Defibrillation an Hand von Puppen geübt. Einer der beiden Mimen war praktischerweise Ausbilder für Erste Hilfe und die Anwendung von Automatischen Externen Defibrillatoren, sodass wir auch das mit einem Übungsgerät üben konnten.

Etliche Male wurden diese Übungen wiederholt. Linda durfte beispielsweise gleich drei Mal tauchen: zweimal um ein Szenario zu spielen und einmal als Sicherheitstaucher, um einem anderen "verunfallten" Taucher zu helfen. Zwischendurch warfen wir noch einen Einweggrill an und stärkten uns mit Hotdogs vom Grill, die auch nach einem guten halben Jahr Norwegen gewöhnungsbedürftig sind (Brötchen die nach Pappe schmecken und irgendwie nur aufgeschäumte Weißbrotpampe sind und Würstchen mit sage und schreibe 50% Fleischanteil laut Packungsangabe (man wundert sich immer wieder was der Rest ist)).

Nach einem langen Tag (ohne echte Verletzungen) brachen wir spätnachmittags pünktlich zum ersten Regenschauer den Heimweg an, um das Material zu spülen und zu verräumen.


Am darauf folgenden Wochenende fand sich dann auch gleich kein Freiwilliger unter den üblichen "dykkeledern" für den Søndagsdykk und wir übernahmen gleich mal Planung und Durchführung. Zu sechst trafen wir uns am Sportgebäude und machten uns auf an den Strand "Korsvika", den wir gleich am zweiten Tag unseres Aufenthalts in Trondheim im Sommer besucht hatten - damals jedoch zum Schwimmen. Dort soll auf wenigen Metern Tiefe ein altes "Wrack" liegen. Unter Einhaltung aller möglichen Sicherheits-"Bestimmungen" machten sich zunächst die anderen vier auf zum Tauchen, während wir sie beaufsichtigten und anschließend umgekehrt.

Ungewohnt schlammig stellte sich der Tauchplatz dar und neben einer grundsätzlich eher bescheidenen Sicht schwammen auch noch Sedimente herum, die von den anderen aufgewirbelt worden waren. Wie alle anderen Tauchplätze um Trondheim im Winter, war auch dieser ziemlich leblos, nur einige Flundern schreckten wir auf. Wie geplant fanden wir bald auf 15 Metern das alte Frachtboot, eine sehr unförmige Nussschale, die von 15 bis 8 Meter senkrecht zum Ufer am Grund stand. Zunächst tauchten wir daran vorbei, bis wir auf eine steinigere Halde stießen, wo wir eine Anemone als lebendiges Highlight des Tauchgangs entdeckten. Auch einige kleine Fische wuselten dort herum. Bevor es uns bei 4 Grad Wassertemperatur zu frieren begann, drehten wir um Richtung Wrack, welches wir dann, langsam daran aufsteigend, von allen Seiten besichtigten. Auf 10 Metern tauchten wir dann über die Sand-/Schlammfläche zurück zum Einstiegspunkt.

Vorbereitungen am Tauchplatz "Korsvika"; Arne präsentiert den Norweger-Pulli als echt norwegischen Unterzieher unter den Trockenanzug. 
In den letzten Zügen: die ersten beiden Tauchteams; und Linda im Dykkeleder-Dress
Das Wrack - Im Vordergrund sein Anker
Lindas neue Tauchlampe - und gleich was gefunden.
 DIE Anemone des Tauchgangs aus der Nähe ;)
"Pølser er ferdig!" - auch diesmal gabs die After-Dive-Hotdogs
Während wir unter Wasser waren, wurde auch schon wieder der Einweggrill angeschmissen, und bis wir unsere Ausrüstung abgebaut und verstaut hatten, konnten wir uns auch schon mit heißen Hotdogs vom Grill aufwärmen.

Mittwoch, 18. Februar 2015

Ålesundtur [olesündtür]

Nachdem wir am Abend zuvor schon die Garagenschlüssel von Joakim bekommen hatten, um an den Anhänger zu kommen fehlte uns am Donnerstag Morgen nur noch das passende Zugfahrzeug dafür. Bei Sixt in einem der Industriegebiete Trondheim holten wir uns um acht Uhr einen vorbestellten Ford Kuga, fuhren dann wieder nach Hause, luden das vorbereitete Tauchgepäck ein und holten den Hänger ab. Der so genannte "Stampen" ist eigentlich ein beheizbarer Pool auf einem Anhänger, sollte von uns aber auch als Lastenanhänger verwendet werden. Den kleinen Kompressor haben wir noch schnell ins Auto geladen und mit einem kurzen Zwischenstopp zum Luftfüllen an der Tankstelle ging es dann zum Sportgebäude. Dort warteten bereits die anderen zehn Personen, die mit uns auf die Ålesundtur der Tauchgruppe fahren wollten. Auch "Fjøset II", das Tauchboot war auf dem reparierten Anhänger bereits vor Ort und mit dem großen Kompressor zum Befüllen der Flaschen beladen. Schnell luden wir den kleinen Kompressor ebenfalls ins Boot und alle Tauchflaschen in den Kuga. Alle Taschen, Rucksäcke, Schlafsäcke, etc. kamen in den "Stampen". Als alles verladen war und auch noch genügend Sitzplätze für alle Teilnehmer in den Autos waren, machten wir einen letzten Rundgang um die Autos und Hänger, um zu prüfen, ob alles korrekt verzurrt war und die Hänger korrekt angekuppelt waren. Dabei entdeckten wir leider, dass der Hänger komplett auf den Reifen auflag. Kein Wunder dachten wir uns, wir haben ja auch einiges reingepackt. Also öffneten wir die Gurte und fingen an auszuladen. Erst als alles entladen war, hatte der Hänger wieder etwas Federweg. Das Gepäck in andere Autos oder das Boot zu laden, stand aus außer Frage. Dafür war es definitiv zu viel. Also mussten wir noch einmal ein Auto bei Sixt leihen und das Gepäck in dieses verladen. Gut eine Stunde zu spät konnten wir dann endlich in Richtung Südwesten aufbrechen.
Eifriges Schaffen (c) Erik Hjertholm
In Orkanger machten wir wie üblich einen Zwischenstopp, um uns mit Frühstück und Mittagssnacks einzudecken. Da um den Supermarkt eine Baustelle war und wir mit dem großen Hänger einige hundert Meter in einen vermeintlichen Kreisverkehr um den Supermarkt gefahren waren, beschleunigten wir den Weg nach draußen über einen kurzen Umweg über einen Fahrradweg, sehr zum Erstaunen unserer norwegischen Mitfahrer. Auch den Rest der Strecke ist Linda dann bravourös mit dem leicht angeschlagenen Hänger gefahren. Bei jeder größeren Bodenwelle setzte der Hänger kurz auf und ruckelte am ganzen Auto. Glücklicherweise waren die Straßen nicht allzu glatt und die Geschwindigkeit sowieso sehr niedrig. Eine Fähre, etliche Brücken und viele Straßen durch tolle Landschaften später, waren wir dann zunächst an der berühmten "Atlantic Road" und kurz darauf an unserem Ziel angekommen. Ramsøy Brygger auf Ramsøy bei Kristiansund ist eine Ansammlung von Ferienhäusern. Neben schicken neuen Ferienhäusern wurde auch ein "Gamlehuset", ein sehr alt anmutendes Haus, mit zwei Wohneinheiten angeboten, in welches wir uns eingemietet hatten. Netterweise durften wir zum Preis einer Wohneinheit das ganze Haus benutzen und so hatte wir zu zwölft ausreichend Platz. Das Boot durfte im eigenen Hafen liegen, den "Stampen" konnten wir direkt am Meer auf der Anlegestelle aufstellen, weil der professionelle Fischereibetrieb in den Wintermonaten offensichtlich stillgelegt ist, und für unsere Ausrüstung durften wir Räumlichkeiten im sonstigen Schlachthaus nutzen. Besser geht es kaum. 
Schön verschneite Landschaften auf dem Weg durchs Landesinnere
Sonne satt. 
Auch der "Stampen" hängt noch.
Sogar hell genug für die Sonnenbrille.
Atlanterhavsveien oder Atlantic Road und direkt vor uns DIE Brücke dieser Straße.
Am ersten Abend sind wir dann gleich noch ins kühle Nass gehüpft und haben wenige hundert Meter von der Anlegestelle zwischen zwei kleinen Inselchen einen schönen Tauchgang gemacht. Dabei haben wir auch gleich unsere erste Portion Kammskjell gefunden. Im Anschluss an den Tauchgang gab es Spaghetti a la Joakim (quasi Bolognese, aber sehr gut) und einige hüpften gleich noch in den bereits heißen "Stampen". 
Gemeinschaftliches Abendessen: Pasta a la Joakim (c) Erik Hjertholm
"Stampen" in Aktion. (c) Lars Korvald
Am nächsten Morgen ging es nur wieder zäh los und gegen zehn Uhr brachen wir Richtung Galten, einem kleinen Leuchtturm ganz in der Nähe, auf. Anschließen fuhr auch das zweite Team (wir mussten die große Gruppe wegen des Platzes auf dem Boot teilen) nach Galten. Nachmittags fuhr nur die erste Gruppe mit dem Boot in den Süden, um an einer Stelle zu tauchen, an der gemäß der Seekarten eine Wand zu sehen sein sollte. Leider erwies sich der Tauchplatz als sandige Halde und Müllabladeplatz für alte Krabbenfangausrüstung. Abends gab es Tacos und hinterher wollte die zweite Gruppe noch einmal direkt an der Anlegestelle tauchen und André schloss sich der Gruppe noch einmal an, während sich die anderen wieder in den "Stampen" begaben. Mitten während des Tauchgangs kam Ole, einer der Personen im "Stampen" ins Meer gehüpft und auf 5 Meter zu Mads und André runtergetaucht. Der aus dem nichts im Lampenschein auftauchende Ole erschreckte die beiden so sehr, dass sie erst einmal alle drei auftauchten. 
Ein Seewolf ("Steinbit", NO) mit ganz schön mächtigen Zähnen
Linda wühlt sich durch den Kelp
Ein Seehase versucht sich zwischen den Steinen zu verstecken.
Mal wieder eine ganz unerschrockene Flunder.

Auf dem Weg zum Sicherheitsstopp.
Unterwasser Müllhalde von beeindruckender Größe. Könnte man fast als künstliches Riff verkaufen 
Schwärme kleiner Fische wo man auch hinleuchtet.
Der große Dorsch versucht sich da zwischen den Steinen zu verstecken, aber  so vielen Lampen entgeht nichts. 
Der Samstag sollte ein besonderes taucherisches Vergnügen für uns bereithalten: ein Strömungstauchgang unter der Atlantic Road. Recht kompliziert mit Auto und Boot fuhren wir alle zur Atlantic Road. Dort tauchte die erste Gruppe einen flachen und eher kurzen Strömungstauchgang, der allerdings etwas verwirrend wurde, als die Strömung im Wechsel von Ebbe nach Flut mitten im Tauchgang einfach drehte. Der zweite Tauchgang, bei dem auch wir dabei waren ging unter die bekannte große Storseisundbrua der Atlantic Road. Wir schlossen uns der anderen Gruppe an, die dann aber sehr schnell, sehr lang, sehr tief in die falsche Richtung schwamm und uns irgendwann abhängte. Da wir bis dahin auch komplett die Peilung verloren hatten, stiegen wir zunächst in Tiefen auf, die uns angenehmer waren und setzten den Tauchgang dann gemütlich durch den schönen Kelpwald fort. Wir fanden dabei wieder einen Seewolf und eine Flunder. Die hat sich durch uns mal wieder so wenig beeindrucken lassen, dass Linda sie sogar in die Hand nehmen konnte, bevor sie sich doch bequemte die Flucht anzutreten, da wir auch nicht so richtig wussten, was wir ohne Netz und Messer und mit zu kleiner Tasche am Anzug mit ihr machen sollten. Zum Einbruch der Dämmerung wollten vier Leute inklusive André noch zu einem Dämmerungs-Kammskjell-Tauchgang aufbrechen, bei dem Linda Tauchgangsleiter war. Bei ordentlich Strömung ließen sich am Tauchplatz unweit der Unterkunft einige Kammskjell und drei Flundern fangen, die später ins Sammelnetz oder direkt auf den Teller wanderten. Direkt nach der Rückkehr machte sich noch einmal eine Gruppe auf ins Wasser, um die großen Fischschwärme rund um die Anleger bei Nacht zu betrachten und Linda schloss sich an. Danach gab es dann die Flundern und lecker Pizza. Bevor es dann ins Bett ging wurde der "Stampen" noch ein letztes Mal ordentlich genutzt. 
Auf dem Weg zur Storseisundbrua auf 25 Meter. 
Sehr malerischer Sonnenuntergang. 
So viele Fischies ...
Am Sonntag legten sich Wind und Wellen auch außerhalb der schützenden Schärengärten und wir führen raus aufs Meer zu einer Leuchtbake, bei der vier Wochen zuvor ein Schiff (die Leif Roald) untergegangen sein soll. Starke Strömungen machten den eigentlich Tauch- und Suchplan unmöglich. Dennoch fanden wir einige sehr frische Schiffteile und hatten hinterher noch einen entspannten Tauchgang entlang der kleinen Insel über und durch den Kelp. Nach uns machte sich dann auch noch die zweite Gruppe auf den Weg, die aber noch einmal zum Leuchtturm Galten wollte. Derweil verräumten wir all unser Zeug und fingen an, das Haus zu reinigen. Auch unseren Kammskjellfang verarbeiteten und verpackten wir verfolgt von den Blicken neugieriger Kinder. Als die anderen zurückkamen, ging alles ganz schnell und bald waren wir alle zusammen auf dem Heimweg. Dort wurde wie immer alles gesäubert und verräumt. Das Auto wurde zurückgebracht und wir sahen zu, bald ins Bett zu kommen, um am nächsten Tag wieder fit für die Uni zu sein.
Bestes Wetter am letzten Tag draußen auf dem Meer mit Blick zurück auf die schneebedeckten Berge direkt an der Küste. 
Mads und Linda, mal über ...
... und mal im Kelp.
André hat sich an dem Wochenende leider eine Erkältung eingefangen und lag am Dienstag flach. Inzwischen ist er aber wieder dank bester Pflege durch Linda auf dem Weg der Besserung ;)

Dienstag, 17. Februar 2015

Lindas Geburtstagsfeier

Zu Lindas Geburtstag am vergangenen Mittwoch lud Linda ein paar Personen zum Sushi Essen zu uns nach Hause ein. Marius und Anne brachten hervorragende Brownies mit.
Echt norwegische Nerd-Brownies: mit Elch und Binärcodierung ;)
Nach dem Essen gingen wir noch mit Joakim in den Keller des Tauchclubs, um für die Ålesundtur am darauf folgenden Tag den Schlüssel zur Anhänger Garage zu bekommen und dann auch noch gleich kurz in die Sauna zu hüpfen.

Ein sehr schöner Abend zusammen mit Thea, Anne, Joakim und Marius!

... und dann kam "Ole"

Für das Wochenende vom 6. bis 8. Februar wurde bereits Wochen vorher eine kleine Tour nach Ørlandet geplant - natürlich zum Tauchen. Zu acht wollten wir mit dem Boot auf dem Hänger entlang des Trondheimfjords nach Westen raus Richtung Meer fahren. Auf der Halbinsel Ørlandet zu der wir mit einer Fähre kommen sollten, gibt es einen Campingplatz, auf dem wir billig zwei kleine Hütten mieten konnten. Zu betauchen gibt es rund um Ørlandet neben den "üblichen" tollen Naturtauchplätzen mit viel Kelp und Fisch auch einige Wracks wie die DS Irma und die DS Seadler, die wir genauer unter die Lupe nehmen wollten.

In der Woche vor der Tour machten André und Kristian den Hänger klar - kein ganz leichtes Unterfangen, da zwei der vier Bremszüge defekt waren, die Bremsen selbst ausgetauscht werden mussten, die Lichtanlage nicht mehr funktionierte und die Halterungen der Radkästen auf beiden Seiten abgerostet waren. Glücklicherweise arbeitet Kristian als Mechaniker in einem großen Betrieb. Die hatten für ein paar Tage eine Hebebühne frei und alle Reparaturen konnten mit etwas Hilfe von einem Elektriker des Betriebs in Eigenregie durchgeführt werden.

... und dann kam "Ole". Das Sturmtief wurde ab Mitte der Woche mit großer Sicherheit auch in Trondheim beziehungsweise Ørlandet vorhergesagt. Schlagzeilen wie "25 Meter hohe Wellen am Wochenende" ließen uns unseren Plan noch einmal überdenken. Glücklicherweise liegt der Campingplatz den wir gebucht hatten im Lee und auch einige Tauchmöglichkeiten sollte es dort gemäß der Seekarten geben. Also einigte wir uns darauf das Boot in Trondheim zu lassen, die Tour aber dennoch durchzuführen.

Gesagt getan. Am Freitag Abend holte Ida uns und Magnus daheim ab. Ida kann sich für Sonntagstauchgänge normalerweise den Familien-Audi A6 leihen. Diesmal jedoch war nur der Familien-Toyota-Yaris drin. Zu viert fuhren wir dann mit vollendetem Formschluss im Wagen zum Sportgebäude, wo wir den Kompressor und unsere Flaschen in das Auto von Thomas verluden. Das sperrige Gepäck kam in Kristians Auto. Das lief alles recht zügig und bald machten wir uns auf den Weg nach Orkanger, wo wir uns mit allem Nötigen zum Essen und Trinken für die folgenden Tage eindeckten. Etwas gemeinschaftlicher als bei der letzten Tour wurde neben Abendessen auch das Frühstück zusammen geplant und gekauft. Nebenbei besorgten sich die meisten beträchtliche Mengen Bier, weil sie bereits befürchteten, wegen des Sturms überhaupt nicht erst aus dem Haus zu kommen. Von Oranger aus ging es weiter Richtung Küste. Im kleinen, nicht mehr so heftig beladenen Yaris, merkten wir dann ab und zu den heftigen Wind, der uns gut durchschüttelte. Nach einer Stunde endete die Straße an einem Fähranleger. Heftiger Wind und Wasser von allen Seiten (teils Schneeregen, teils Wellen, die über den Parkplatz geweht wurden) machten Aussteigen unmöglich, die Wartezeit aber sehr spaßig. Die anschließende Fährüberfahrt verbrachten wir im Aufenthaltsraum, weil niemand im Auto sitzen wollte, während es möglicherweise unkontrolliert über die Fähre rutscht. Leichte Gangschwierigkeiten und 45 Grad von der Wand abstehende Vorhänge auf der großen schweren Fähre offenbarten allen, dass es eine gute Idee war das kleine Tauchboot daheim zu lassen. Wenige Autominuten vom Fähranleger auf Ørlandet waren wir auch schon am Campingplatz angekommen und bekamen die Räumlichkeiten vom Besitzer gezeigt. Neben unseren beiden kleinen Hütten mit Heizung, hatten wir eine schöne große Küche im Gemeinschaftshaus, die fortan der Mittelpunkt unseres Aufenthalts werden sollte. Außerdem konnten wir die Sanitäranlagen des Campingplatzes komplett für uns alleine nutzen, sodass all unsere Tauchsachen schon trocken und frostgeschützt aufgegangen werden konnten. Nachdem die Autos ausgeladen und die Hütten bezogen waren, begannen wir das Abendessen vorzubereiten - Geschnetzeltes von Kristians selbstgeschossenem Elch. Hinterher war an Tauchen nicht mehr zu denken, der Wind nahm eher zu, die Gegend und das Gewässer ringsum war uns unbekannt, ebenso wie die Strömungen und dunkel war es bereits als wir am Sportgebäude in Trondheim losgefahren waren. Also ließen wir den Abend gemütlich im Gemeinschaftsraum ausklingen.

Am nächsten Morgen war "Ole" endgültig angekommen. Der Wetterbericht war nicht ganz akkurat und so fegte der Wind statt Regen eher Hagel und Schnee über das flache Ørlandet. Vom Abend zuvor sowieso noch etwas platt, gab es ein reichhaltiges Frühstück und erst anschließend gegen Mittag machten wir uns auf zum Tauchen. Anziehen konnte man sich noch schön im Warmen, in den Sanitärräumen, und wenn man erst mal im Trockenanzug war, war auch das zusammenbauen der restlichen Ausrüstung im Sturm kein Problem mehr. Ganz im Gegenteil: mit all der schweren Ausrüstung und der luftdichten Gummihülle um einen herum kommt man immer schnell ins Schwitzen. Letztendlich waren alle froh, als wir endlich ins Wasser konnten. Vor allem die erfahreneren Taucher mit ihren technischen Ausrüstungen (und zwei statt nur einer Flasche auf dem Rücken) waren froh, dass ihnen das Wasser endlich den Großteil des Gewichtes abnehmen konnte. So war es kein Wunder, dass die Gruppe der vier Erfahrenen bereits nach wenigen Momenten abgetaucht war, während wir noch unsere Checks machten und darauf warteten, dass auch bei Magnus und Ida alles klar war (die beide noch etwas weniger Praxis haben als wir). Als wir dann, weg vom Wind und dem Schnee, unter Wasser gingen empfing uns ein karibischer Sandstrand mit weißem Sand, der sehr langsam tief wurde, und gemütlicher Brandung. Eine ganze Zeit lang schwammen wir weg vom Ufer, während das Wasser einfach nicht tiefer wurde. Irgendwann mussten wir umschwenken, um gegen die  Meerwärts zeigende Strömung zu schwimmen. Immer wieder gab es kleine bewachsene Steine zu sehen, die von Krabben, Krebsen, Schnecken oder Fischen bewohnt waren. Nach 45 Minuten drehten wir um und schwammen mit der Strömung landeinwärts, kamen dann aber Minuten später am nahe gelegenen Hafen raus. Dort tauchten wir wieder ab und ließen uns von der Strömung weiter zurück zum Einstiegspunkt treiben. Dort erwartete uns das etwas nervöse Team, das nicht damit gerechnet hatte, dass wir uns mit unseren Einzelflachen 75 Minuten unter Wasser rumtreiben können. Da sie es vor dem Tauchgang so eilig hatten, wurden auch keine Absprachen getroffen und die Differenz der Einstiegzeiten ließ Ihnen die Wartezeit nur noch länger vorkommen. Glücklicherweise waren wir dann ja wieder da, bevor jemand den Notruf gewählt hatte, aber für das nächste Mal sollte das allen eine Lehre gewesen sein, die sonst so üblichen Absprachen zu machen, auch wenn man nicht auf einer offiziellen Tour der Tauchgruppe der NTNU ist.
Praktisch so ein Rastplätzchen - unser kleiner Sammelplatz. 
Tauchen in Norwegen: fast immer ein Suchspielchen. Dafür freut man sich umso mehr wenn man es dann mal gefunden hat =)
Endlich Richtung Wasser. Was man nicht sieht: das gegenüberliegende Ufer des Fjordes in 1-2 km Entfernung. Wirklich schlechtes Wetter. 
Rein in die Fluten und schnell abtauchen. Oben drückt der Wind heftig aufs Wasser und  treibt den Schnee vor sich her.
Kleine Trollkrabbe und ungebetener Besucher auf karibischem Sandstrand.

Stolzer Besitzer eines Steines und einiger Algen auf der großen Sandfläche.
Nach dem Tauchgang wurde "Sightseeing" ausgerufen und wir fuhren mit den Autos auf die Westseite der Halbinsel, wo sich der Wind ordentlich austobte. Ganz offenkundig hatten wir mächtig Glück auf der abgewandten Seite überhaupt ins Wasser zu können, da hier die Wellen mit ordentlich Wucht über die Kaimauern schlugen. Die vorhergesagten 25 Meter hohen Wellen gab es allerdings nicht auf Ørlandet, weil eine Reihe vorgelagerter Inseln Wellenbrecher spielten - vermutlich der einzige Grund warum Ørlandet überhaupt bewohnt sein kann.
Von Wind und Wellen gebeutelter Leuchturm.
Wieder zurück am Campingplatz wurde das Abendessen vorbereitet - Kammskjell mit Limetten und Käse angebraten und hinterher Tortellini mit Hühnchen - während André, Preben und Magnus noch einen kurzen Nachttauchgang machten. Während des Tauchgangs war viel mehr Fisch zu sehen als tagsüber, aber auch viel mehr Strömung, was zu einem deutlich kürzeren Tauchgang führte. Das anschließende Essen war wieder ganz hervorragend und über das Besäufnis, dem sich die Norweger anschließend hingaben wollen wir den Mantel des Schweigens ausbreiten.

Der nächste Morgen begann entsprechend spät, was aber auch kein Beinbruch war, da Ole immer noch vor sich hin wütete. Ein wieder sehr reichhaltiges Frühstück brachte alle recht zügig wieder auf die Beine und gemeinsam wurden die Hütten und Gemeinschaftsräume geputzt. Nachdem wir das Haus wieder an den Vermieter übergeben hatten, fuhren wir raus an die Süd-West-Spitze Ørlandets und machten uns dort auf zu einem Kammskjell-Tauchgang im immer noch zugigen Windschatten eines kleines Hügels. Im sanft abfallenden Sand und Schlammboden fanden sich auch tatsächlich einige Kammskjell, so dass wir gegen Ende des Kurztrips auch noch Material für ein gutes Abendessen verbuchen konnten.

Nach dem Zusammenräumen ging es auf die mehrstündige Heimfahrt, Verräumen der Ausrüstung im Sportgebäude und Öffnen der Kammskjell. Als es darum ging die Reste zu entsorgen, lehnte sich André sehr weit aus dem Fenster und schlug vor, dies in den riesigen Mülltonnen des Studentenwohnheims zu tun. Das wurde fast einstimmig angenommen, was dazu führte, dass wir zusätzlich zu 4 Personen und dem ganzen Tauchzeug auch noch ne Tüte Muschelinnereien in den Familien-Yaris packen mussten. In Zukunft denkt André wieder, bevor er was sagt ;) Glücklicherweise kam die Tüte heil in der Mülltonne und wir wieder daheim an. Ein paar Kammskjell wurden gleich gegessen, der Rest für später eingefroren.

Trotz "Ole" eine sehr gelungene Tour nach Ørlandet, die wir eventuell im Juni wiederholen wollen, um dann doch noch die beiden Wracks zu sehen.