Montag, 20. Oktober 2014

Cabintrip Fosenkoia

Gemäß dem Motto "Erst die Arbeit, dann das Vergnügen!" gingen wir die letzte Woche an. Bis Freitag Nacht mussten wir je zwei Abgaben in unseren Gruppen (einmal für das "Customer Driven Project" und einmal für "Cooperation Technology") fertiggestellt haben. Linda traf sich dazu viel mit ihren Customer-Driven-Project-Gruppenmitgliedern und programmierte bis tief in die Nacht - mit allen Höhen und Tiefen die das Programmieren so mit sich bringt. Nebenher opferte sich Linda und übernahm den Großteil des Reports für Cooperation Technology. André schrieb derweil für Cooperation Technology einen Prototyp des Spiels, welches am Ende abgegeben werden muss und finalisierte die Abgabe seiner Gruppe für das Customer Driven Project in der Nacht von Donnerstag auf Freitag. Besonderer Dank gebührt in Hinblick auf halbwegs erfolgreiches Überstehen der Woche vor allem Schokolade und Kaffee getreu dem Paradigma, dass "Programmieren nur die Kunst ist, Kaffe in Code umzuwandeln." Zwischendurch durften wir uns mit dem Lichtblick am Ende der Woche beschäftigen: der Planung des nächsten Cabintrips am letzten Wochenende.

Diesmal sollte es mit acht Personen auf die "Fosenkoia" gehen. ("Fosen" heißt das Gebiet/Höhenzug, welches/r gegenüber Trondheim, auf der anderen Seite des Trondheimfjordes liegt, "koia" ist "die kleine Hütte"). Hütte buchen, Mahlzeiten planen, Fahrpläne vorbereiten, Einkaufen, Vorkochen, ... - alles wurde in der Gruppe erledigt und jeder leistete seinen Teil der Vorbereitungen. Am Donnerstag nach dem Einkaufen teilten wir das Gepäck auf, und verabredeten uns, den Bus um 11:42 am Freitag Vormittag in Richtung Fähre zu nehmen. Die Nacht über hatten wir noch gut zu arbeiten, sodass es mit Aufstehen, Frühstücken und Packen am Freitag morgen recht knapp wurde. Obwohl André noch um 5 nach halb in der Dusche war, schafften wir es pünktlich zum Bus ohne etwas Wichtigeres zu vergessen - yeah, Wochenende!

Busfahren in Trondheim ist für uns Fahrradfahrer immer ein Erlebnis. Aber wir kamen mit zwei Bussen pünktlich zur Fähre, die uns schnurstracks nach Vanvikan brachte. Dort angekommen machten wir uns marschbereit, Schuhe binden, einen Schluck trinken, ein paar Happen essen - uns erwartete eine Tour zwischen zwei-einhalb und fünf Stunden. Im Vorfeld hörten einige Mitglieder der Gruppe bereits allerlei Schauergeschichten, von Studenten die bereits auf der Cabin waren oder von wem gehört hatten, der mal auf der Cabin war ... und viel zu lang für die nur ca. 6km lange Tour gebraucht hatten oder sogar auf dem Weg dorthin im Freien schlafen mussten. Mit Karte und Kompass ausgestattet und bester Dinge machten wir uns auf den Weg. Wir hatten bestes Wetter, strahlenden Sonnenschein, kaum Wind aber recht kühle Temperaturen. Für das Wochenende waren um Trondheim Temperaturen bis auf den Gefrierpunkt vorhergesagt, daher waren alle recht gut ausgestattet. Zunächst ging es auf Forstwegen recht steil in Richtung der für uns bereits gewohnten norwegischen Wildnis.
Dick eingepackt gings in die ersten Höhenmeter.
Blick zurück auf den Fähranleger - strahlende Aussichten. 
Allerlei Gefahren lauerten auf dem Weg, unter anderem eine anhängliche Schafherde, die uns nach anfänglicher Skepsis laut blökend hinterherlief.  Erst nach dem nächsten Elektrozaun fühlten wir uns wieder sicher genug, ohne ständigen Schulterblick zu wandern ;)
Herde, gut 20 Stück, sucht Anhang ... (c) Rebecca Haiser

Wenig später gab es die nächste Überraschung: Frost - scheinbar war es hier oben noch deutlich kälter als in Trondheim, wenn am frühen Nachmittag noch immer alles gefroren war. Der große Vorteil war eindeutig, dass die meisten sumpfigen Stellen genug gefroren waren, um einfach drüber zu stiefeln. Allerdings nicht immer - André konnte wegen der Wanderung vor zwei Wochen noch immer nicht normal in Schuhe steigen und musste seine Aldi-Laufschuhe als Schlappen missbrauchen, welche das ein oder andere Mal einfach in den Schlammlöchern stecken blieben.
Überfroren - Nachmittags um 2
Reif sorgte für etwas Abwechslung in den Motiven ;)
Auf Grund eines ausführlichen Blicks auf die Karten daheim am PC und vor Ort auf die analoge Variante, bogen wir kurz vor Ende des Forstweges an einer Stelle, an der wir glaubten einen Pfad zu erkennen, ins Unterholz ab und wollten einem Bach weiter nach Norden folgen. Bald wurde das Gelände um den Bach zu steil und wir mussten statt an dem Bach, IN dem Bach hochklettern - die Geburtsstunde des "reverse Canyoning" ;)
"Ich komm nicht mehr weiter!" - ein Foto vor dem Helfen musste einfach sein.
 Trockenen Fußes (überraschender Weise) kamen alle weiter oben aus dem Bachbett wieder auf einen Pfad, welchem wir im großen und ganzen bis zur Cabin folgen konnten.
Oben auf der Hügelkette über dem Fjord ...
.... mit toller Aussicht rüber nach Trondheim!
Kurz vor der Cabin: eine Pause, damit wir auch mal eine gemacht haben ;) 
Und da ist sie auch schon: Fosenkoia nach gut zwei Stunden.
Von hinten nach vorne (und links nach rechts): Lucia, Anne und Rebecca, Tobias, Sophia und Miriam und Linda. 
Erst mal gucken. Das Schild zeigt: "Definitiv unsere!"
Blick von der Sonnenterrasse (dem bepflanzten Dach) auf den See - immer noch traumhaftes Wetter.
An der Hütte angekommen, wurde diese zunächst von allen Seiten inspiziert und für gut befunden. Nach einem Vorraum, der als Lager für Feuerholz, Windfang und mittlerweile auch als Kühlschrank dient, geht es in die eigentliche Hütte. Ein schöner großer Raum, ein Ofen, ein großer Tisch, drumrum einige zweistöckige Betten (vier davon Doppelbetten, insgesamt 10 Schlafplätze), Fensterfront auf den See - Alles in allem sehr luxuriös. Die nächste Amtshandlung war den Ofen anzufeuern und die Hütte auf T-Shirt-Temperatur zu heizen.
In Jacken und Mützen dicht gedrängt um den Ofen - schien noch kalt zu sein.
Einige Zeit und etwas Holz später: angenehm warm.
Nachdem das Wichtigste (unter anderem Betten beziehen, Tee kochen, Axt schärfen, Holz hacken, Lagerfeuerholz sammeln) erledigt war, begannen wir das Abendessen zuzubereiten... Währenddessen ging jeder seiner Lieblingsbeschäftigung nach: Tobi hackte Holz (immer noch), alte Hüttenbücher wurde gewälzt und Miriam und Linda strickten fleißig.
Axt schärfen und Nachmittagssonne genießen (c) Lucia Gomez
Hüttentreiben
Nach dem Essen zündete Tobias das Lagerfeuer vor der Hütte an und wir saßen eine Zeit lang vor dem Haus und genossen das Lagerfeuer, den Blick über den See und den ungetrübten Sternenhimmel.   Genügend Zeit für die ein oder andere Langzeitbelichtung. Relativ bald war das Holz aufgebraucht und wir gingen wieder in die Hütte. Recht zeitig fielen wir in die Schlafsäcke, beziehungsweise drauf, da das beständige Nachschüren die Hütte fast zur Sauna gemacht hatte.
Lagerfeuer-Romatik
"We <3 Norge" - true story!
Selten so viele Sterne gesehen ...
 Der nächste Morgen begrüßte uns wieder mit Sonnenschein, fast klarem Himmel und einer ziemlich eisigen Hütte. Die wolkenlose Nacht zuvor hat den See komplett zufrieren lassen. Nach anfänglichen Problemen Feuer in den Ofen zu bekommen (ein gesunder Schuss Lampenöl löste das Problem), gab es doch noch warmen Tee zum Frühstück. Anschließend wollten wir eine gemütliche mehrstündige Tour unternehmen und dabei Ausschau nach einer Höhle halten, die es angeblich im Nachbartal geben sollte. Bis alle marschbereit waren, ging es auf eine kleine Fototour um die Cabin.
Wartezeit überbrücken mit Überblick.
Fosenkoia im Winter schient auch ein Erlebnis zu sein: ein Spaten über der Tür zum Freischaufeln Selbiger und der Schneehöchststand von 19.05.1997 knapp unter dem Türrahmen!

Lucia blieb wegen Schmerzen i der Hüfte lieber in der Hütte und machte sich ein paar ruhige Stunden. Die Wanderung führte uns die ersten hundert Höhenmeter auf den Hausberg - den Munken. Die Eins-A Aussicht wurde nur durch die extrem tief stehende Sonne behindert - 63 Grad Nord eben.
Gipfel-Bild
... und das Gipfelbild für die Sportlichen unter uns: Anne und Rebecca im Handstand
 Weiter ging es auf der anderen Seite des Munken ins Tal hinunter. Beim Abstieg über die frostige und rutschige Nord-Ost Seite glaubten wir auf der anderen Seite des Tals die gesuchte Höhle zwischen einigen Bäumen hindurch erkannt zu haben. Als wir an der Stelle angekommen waren, stellte sich das jedoch als falsch heraus und wir gaben die "Suche" recht bald auf. In einem Bogen nach Norden um den Munken herum wanderten wir wieder zurück zur Hütte.
Kurz nach unserer Ankunft kamen noch zwei weitere Studenten, die ebenfalls die Nacht auf Sonntag in der Fosenkoia verbringen wollten. Nach einem gemütlichen Nachmittag begannen wir früh zu Kochen: es sollte Sushi geben! Während sich die beiden zusätzlichen Gäste draußen am Lagerfeuer Würste brieten, rollten und formten wir drinnen im Akkord. In großartiger Gruppenarbeit bereiteten wir etliche Teller Lachs-Nigiri und Maki mit Lachs, Avocado, Gelberüben, Gurke und Frischkäse zu. Ausreichend Sojasoße, Ingwer und Wasabi vervollständigten das Festmahl.
Arbeitsteilung: Rollen, Schneiden, Stricken

Schneiden und Anrichten in den letzten Zügen ...

... und endlich fertig zum Essen! - "Sushi a la Fosenkoia"
 Mit vollem Bauch wurden noch ein paar Runden Karten gespielt bevor wir in der noch wärmeren Hütte als Abends zuvor (man könnte meinen wir wären lernfähig) wieder in die Federn vielen.

Am nächsten Morgen gabs ausreichend Frühstück, die Reste zum Heimtragen wurden aufgeteilt, es wurde in und rum um die Hütte klar Schiff gemacht und wir brachen mehr als pünktlich auf, um die Zwei-Uhr-Fähre zu erreichen. Wir folgten dem Pfad, der uns am Freitag das letzte Stück des Weges bis zur Hütte gebracht hatte und kamen (ohne Kletterpartie durch den Bach) sehr schnell auf der großen Forststraße raus. In Zukunft werden wir einfach länger auf Wegen bleiben bevor wir ins Dickicht abbiegen. Aber wir waren uns einig, dass der Pfad auf dem Hinweg einfach zu langweilig gewesen wäre. Wir waren zwar sehr schnell, aber die Zwölf-Uhr-Fähre zu erreichen war aussichtslos. So machten wir noch einmal Pause bei der Schafherde vom Freitag. Ein besonders anhängliches Schaf hat sich um einen Platz auf unserem Gruppenfoto verdient gemacht ;)
Cabin-Trip-Gruppenfoto (vl): Linda, Rebecca, Anne, Tobias, Miriam, Sophia, Lucia und Andre. Und im Vordergrund "30059" ;)
Das Schaf, das auf den klangvollen Namen 30059 hört - der Held des Rückwegs!
Nach einer guten Stunde Wartezeit auf die Fähre und etwas Busfahrerei kamen wir Nachmittags wieder in Moholt an. Genug Zeit alles auszupacken, zu verräumen und noch was für die Uni zu tun ;)

Vielen Dank an alle Teilnehmer für den genialen Cabintrip!

Dienstag, 14. Oktober 2014

Søndagsdykk

Gestern (Sonntag) waren wir endlich mal wieder bei einem Søndagsdykk (NO, Sonntagstauchgang) der Dykkergruppa dabei. Bei überraschender Flaute (in der letzten Zeit stürmt es rech viel in Trondheim) machten wir uns gegen 10 mit dem Rad und unserem Tauchgepäck auf den Weg zum Keller der Tauchgruppe. Nach dem obligatorischen Flaschencheck und Blei raussuchen machten wir uns alle zusammen mit vier Autos auf den Weg zum Tauchplatz. "Ingdalen" ist ein kleines Dörfchen am Trondheimfjord ungefähr eine Autostunde außerhalb von Trondheim und (wie wir seit dem großen Tauchausflug wissen) nur eine knappe halbe Bootsstunde. Auf einem Parkplatz der kleinen Küstenstraße parkten wir wie immer die Autos und luden das Equipment aus. Inzwischen waren wir zum dritten Mal an diesem Tauchplatz - scheint recht beliebt zu sein - und kannten uns recht gut aus. Während der Fahrt wurde das Wetter eher schlechter, aus Flaute wurde steife Briese und aus bewölkt teils regnerisch. Seit der Bootsfahrt über den offenen Atlantik während des Finnedykks haben wir nicht so hohe Wellen gesehen, die an diesem Tag mit ordentlich Wucht gegen die Felsen klatschten, die unsere übliche Einstiegsstelle sind. Nachdem wir das Material und uns hergerichtet hatten, dem Dykkeleder (NO, Tauchführer, so was wie ein Sicherheitsbeauftragter) unseren Tauchplan mitgeteilt hatten (maximal 60 Minuten auf maximal 20 Meter), stiegen wir also an ungewohnter Stelle in einer Wellen-abgewandten Bucht in die -mit 11 Grad- immer noch sehr warmen Fluten des Fjords (Lindas Tauchcomputer sagt 10 Grad. Er passt sich also dem Benutzer an...). Auch an Land waren es zu dem Zeitpunkt am frühen Nachmittag nur 11 Grad. Wir hatten beide versucht mal wieder die Bleimenge etwas weiter zu reduzieren, was sich bei dem Wellengang etwas bemerkbar machte. Mit etwas Paddeln kamen wir beide nach unten und wurden auch auf 5 Metern noch gut durchgeschüttelt - schnell weiter runter. Leider versaute der starke Wellengang etwas die sonst so gute Sicht und auch sonst war an dieser Ecke des Tauchplatzes nicht viel besonderes zu sehen.
Third-Crab-View ;)
alle Flucht wird nichts Helfen da unten tauchte gerade Nico rum, der an dem Tag Krabben fürs Abendessen sammelte ;) 
Nach 50 Minuten (und einer Maximaltiefe von 20,4 Metern) kamen wir nach einer größeren Runde fast wieder da raus wo wir reingestiegen waren - dank Strömung etwas zu weit nördlich. Beim Aufstieg machten sich wieder Wellen und fast zu wenig Gewicht bemerkbar. Bis zum Ausstiegspunkt durften wir dann fröhlich gegen die heranwollenden Wellen zurückpaddeln - andere Tauchpaare, die ebenfalls etwas zu weit getaucht waren, leisteten uns dabei Gesellschaft.
Blick zurück - den Orientierungskurs sollten wir gegebenenfalls noch irgendwann machen.
Die "technischen Taucher" (fortgeschrittene Taucher, die dank mehr Erfahrung und "speziellem" Material tiefer und/oder länger tauchen können) machten sich anschließend fertig und wir übernahmen den Part der Beaufsichtigung deren Tauchgänge. Nach einer Stunde (und geplanter Maximaltiefe von 40 Metern) erreichten die wieder die Oberfläche und wir machten uns ans Aufräumen und den Nachhauseweg. Vom Tauchkeller zu uns nach Hause wurde uns unser Gepäck dankenswerterweise wieder mal mit dem Auto gefahren - mit dem Rad wäre das recht anstrengend, da die Fahrt mit dem Rad schon ohne jegliches Gepäck anstrengend ist. Gegen 15 Uhr waren wir wieder daheim, bereiteten die erste Mahlzeit des Tages zu, spülten unser Material und machten uns wieder an unser Uni-Zeug. Wir freuen uns schon wieder auf den nächsten Tauchgang!


Freitag, 10. Oktober 2014

Cabintrip

Letztes Wochenende haben wir uns auf unsere erste echte Cabintour begeben! NTNUI (die Sportgruppe der NTNU) hat einige winzige bis mittelgroße Selbstversorgerhütten ohne Wasser und Strom rund um Trondheim, die für wenige Euro die Nacht an Studenten vermietet werden. Per Bus, Bahn, Fähre, dem Rad oder zu Fuß sind die meisten Hütten binnen weniger Stunden mehr oder weniger einfach zu erreichen. Linda schloss sich diesmal einer anderen Gruppe ERASMUS-Studenten an, die das Wochenende auf der Nicokoia verbringen wollten. André plante mit Tobi und Christian am Samstag von der Sonvasskoia zur Nicokoia zu wandern (eine traditionsreiche Hütte-zu-Hütte-Tour) und sich von dort am Sonntag mit Lindas Gruppe wieder auf den Weg nach Hause zu begeben. 

Freitag Mittag machte sich Lindas Gruppe von der Bushaltestelle vor dem Haus auf den Weg zur 40km südlich von Trondheim gelegenen Nicokoia. Vier Busse und etwas Verwirrung später erreichten sie den Ort Brøttem, der so gar nicht nach einem Dorf oder ähnlichem aussah. Jedoch war sich der Busfahrer des Schulbusses, in dem wir uns offensichtlich befanden, sehr sicher, dass wir hier aussteigen müssen. Nach kurzer Orientierungs- und Vorbereitungsphase machten wir uns auf gen Süden, wo wir vier Stunden später die Nicokoia finden sollten (so zumindest der Plan). Zunächst ging es über einen breiten Forstweg, was ganz ungewohnt war, da man in Norwegen doch eigentlich immer querfeldein wandert. Aber genau dieser Teil der Strecke sollte noch kommen. Denn nass wurden wir nicht nur von oben durch den leichten Regen, der sich zum Glück bald verzogen hatte, sondern auch von unten. Durch ziemlich sumpfiges Gebiet ging es an einem Bach entlang. Nur welcher dieser Bäche in der Beschreibung des Weges, die wir leider nicht dabei hatten, unserer war, war nicht ganz klar, was zu dem ein oder anderen Umweg geführt hat und uns mit unnötigen Steigungen konfrontiert hat. Bereits etwas verzweifelt, dass wir es doch nicht mehr schaffen werden vor Anbruch der Dunkelheit an der Hütte anzukommen, stießen wir nach ca. dreieinhalb Stunden endlich auf einen Pfad, der sogar als Wanderweg ausgezeichnet war. Diesem folgten wir und wurden wenig später von einem Schild überrascht, das tatsächlich unsere Hütte auswies: "Nicokoia". So ging es also weiter über einen schmalen Trampelpfad, der wahrscheinlich durch die vielen Hüttenbesucher im Laufe der Jahre entstanden ist. Die Hütte wurde nämlich schon 1947 erbaut und ist somit die älteste aller Hütten von NTNUI. Wieder motivierter ging es sich gleich viel einfacher und sogar die letzten Sonnenstrahlen blieben uns nicht verborgen, da sich der Himmel langsam aufgezogen hatte. Um 7, gerade vor Einbruch der Dunkelheit, erreichten wir glücklich nach fünf Stunden die Nicokoia.

Auf gehts! Mit Karte und Kompass.
Steil ging es immer wieder hoch und runter.
Überall Sumpf...
Jaaa! Ein Schild zur Nicokoia. Wir dürfen den Weg wieder verlassen.
Die letzten Sonnenstrahlen kurz vorm Ziel genießen.
Wir begannen fleißig den Ofen anzuheizen, Licht zu machen, Wasser zu holen und das Essen vorzubereiten - ganz klassisch Spaghetti mit Tomatensoße. Doch ohne Strom und fließend Wasser und die Routine damit umzugehen dauert alles nun mal recht lang, sodass wir erst gegen 12 müde in die Betten vielen. Den Samstag haben wir sehr ruhig angehen lassen. Nach langem Schlafen und ausgiebigem Frühstück machten wir uns um 12 auf den Weg die Landschaft um die Hütte herum etwas genauer zu erkunden. Wie die Landkarte, die wir uns vom internationalen Büro der Uni ausleihen konnten, verriet, bot sich eine recht hügelige, sumpfige Landschaft voller kleiner Seen uns Moose in verschiedensten Farben. Durch recht starken Wind nicht sonderlich motiviert große Berge zu erklimmen, machten wir uns schon nach drei Stunden inklusive langer Pause wieder auf den Rückweg zur Hütte. Dieses Mal schon etwas geübter gab es den Reis mit Gemüsesoße schon deutlich früher, sodass noch genügend Zeit für die ein oder andere Kartenrunde blieb. Gegen 10 machten wir uns langsam bettfertig und waren gespannt, ob es André und seine Gruppe wohl noch zu uns schaffen werden. Mehr dazu im Folgenden.

Fast schon ein Festmahl mit frischem Basilikum.
Ein Einblick in die Samstagswanderung - wieder ein See, der umlaufen werden muss.
Abspülen mal anders.

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Nach intensiver Planung und Vorbereitung setzen sich André, Tobias und Christian Freitag Nachmittags mit dem Bus in Richtung Nord-Osten in Bewegung. Zwei Stunden später waren sie gegen halb sechs an einer Bushaltestelle im Nirgendwo angekommen, die den Startpunkt der ersten Wanderung markieren sollte.

Alle noch am Lächeln - VOR der Wanderung.
Wenn es einen Weg gab, wurde dieser gekonnt übersehen und so ging es vom ersten Meter querfeldein nach Karte und Kompass Richtung Sonvasskoia. Was sich auf der Karte beim Planen als recht gemütliche Wanderung durch leicht hügelige Landschaft mit 10km Luftlinie dargestellt hatte, entpuppte sich allerdings bald als recht anspruchsvolle Tour mit vielen Sümpfen, etlichen scharfen Tälern, die im Kartenraster verloren gegangen waren, und einigen Hindernissen, wie Seen und Bächen, die umlaufen oder überquert werden mussten. Bald war klar, dass das Erreichen des Höhepunkts unserer kleinen Wanderungen (Gravøyfjellet, 930m) im Hellen zum Kraftakt wird. Kurz nach Sonnenuntergang waren wir dann zum Glück oben auf dem windigen Gipfel, der zugleich auch gut die Hälfte der Wanderung markiert hatte - keine Minute zu früh, um noch bei ausreichender Helligkeit das Terrain vor uns zu überblicken, eine möglichst sanfte Route Richtung Ziel zu suchen, sich Peilungen zur Hütte und guten Landmarken (wie Orientierungslichter des nahen Flughafens Værnes) zu merken und die Taschenlampen auszupacken. Um halb 8 war es finster, um 8 begannen wir mit Licht durch zerklüftete Ebenen und sumpfige Wiesen zu stapfen. Als wir endlich unterhalb der Baumgrenze waren, dauerte es auch nicht mehr lang bis wir, bereits leicht geschafft, über die Sonvasskoia stolperten. Drinnen erwarteten uns bereits 4 weitere Studenten, die wussten, dass wir noch irgendwann kommen mussten. Glücklicherweise war der Ofen noch warm und wir wärmten uns Chilli auf, das Tobi in ausreichender Quantität vom Vortag übrig hatte. Danach ging es zügig in die Federn, da wir am nächsten Morgen um halb 6 wieder marschieren wollten.

Geplant, getan: 5 Uhr Wecker, 5:22 Uhr Abmarsch von der Sonvasskoia. Die Wanderung vom Vortag steckte uns noch in den Knochen und auch die ein oder andere Blase hat sich über Nacht natürlich nicht verzogen. Trotzdem ging es gut gelaunt zunächst mit Licht durch Sumpf bis zum nächsten Pfad, der stetig besser ausgebaut wurde, bis wir um halb 7 im Sonnenaufgang auf einer (für norwegische Verhältnisse) bestens ausgebauten Straße im Gehen Frühstücken konnten. Zum Pause machen war keine Zeit - wir wussten unser Plan war ambitioniert. Das erste Zehntel unserer Strecke hatten wir nach ein-einhalb Stunden hinter uns gebracht - um 7 bogen wir nach guten sieben Kilometern von der Straße ab und begannen querfeldein über einen recht breiten Sattel Richtung Selbu zu laufen. Wenigstens gab es alle 20 Meter eine Markierung, was sowohl das Navigieren als auch das Gehen deutlich leichter machte. Das nächste Etappenziel - die nächste Straße um 8 Uhr zu erreichen - verpassten wir bereits deutlich und auch das darauf (die ersten Häuser Selbus zwischen 10 und 12 zu passieren) sollte eng werden. Da wir wussten, dass die Strecke durch Selbu lang und langweilig werden würde und André wegen der Blasen kaum mehr normal gehen konnte, schrumpfte die Motivation leider deutlich schneller als es die verbleibenden Kilometer taten. Alle Paar Minuten kamen und zudem Autos entgegen - Norweger die Ihren Samstag im "Gebirge" hinterm Gartenzaun zu verbringen gedachten. Von anderen Studenten hatten wir bereits gehört, dass es ohnehin quasi unmöglich sei die Norweger zum Anhalten zu bewegen, um mitgenommen zu werden. Umso überraschter waren wir, als kurze Zeit später das erste Auto, das unseren Weg passierte, auf einen spontanen, wagen und unmotivierten Fingerzeig hin anhielt und uns der Fahrer anbot, auf seiner Pritsche bis zur Stadtgrenzen zu fahren. Weiter ginge nicht, da Personenbeförderung auf Ladeflächen selbst in Norwegen verboten ist. Dankbar kletterten wir ins Auto und ließen uns einige stinklangweilige Kilometer bis zur Stadt fahren - das erste Grinsen seit dem Loslaufen.
Seltener Anblick an diesem Wochenende: ein breites Grinsen =)
Dort bedankten wir uns herzlich und machten uns auf durch Selbu zu wandern. Keinen Kilometer weiter wurden wir auf der Straße angehupt und wir wurden eingeladen durch Selbu gefahren zu werden. Die Beifahrerin des vorherigen Wagens hatte eine Bekannte getroffen, die mit dem Auto nach Hause unterwegs war und dachte, dass wir wohl froh wären nicht stundenlang durch die Stadt trotten zu müssen. Kurze Zeit später (gegen 12) wurden wir an der anderen Seite von Selbu abgesetzt, waren wieder voll im Zeitplan und hoch motiviert auch den Rest des Tages zu Laufen. Ein Blick auf den Plan prophezeite uns noch gute 35km mit einigen Gipfeln, die zwischen uns und der Nicokoia lagen. Zunächst ging der Weg einige Stunden über gut befestigte Forstwege mal mehr und mal weniger steil nach oben bis wir den Rensjø erreichen wollten. Bevor wir diesen erreichten wurden wir noch einmal einen Kilometer von einer weiteren freundlichen Norwegerin mitgenommen (ohne jegliches Zutun unsererseits!). Das hätten wir auch gehen können, aber wir wanderten durch drei Kartenblätter, hatten nur zwei und befanden uns gerade im fehlenden dritten Eck. Als wir den Rensjø erreichten machten wir den größten Fehler unserer Wanderung: eine Viertelstunde Pause. Hinterher konnten wir kaum mehr Gehen und hatten Mühe eine größere Familie beim Spazieren gehen zu überholen. Zum Glück wurde uns die Schmach erspart ebenfalls wieder überholt zu werden, da wir laut Kompass zum letzten mal während der Wanderung einfach in die Wildnis abbiegen durften. Das nächste Ziel war der Rensfjellet, der mit 940 Metern Höhe in doch recht beachtlicher Ferne zu erkennen war. Auch hier wurde der Plan, der zuvor am PC zusammengeklickt wurde (7km, relativ gerade, sanfte stetige Steigung bis zum Fuß des Berges) zunichte gemacht durch mehrere dutzend Moränen, die natürlich alle quer zu unserem Weg verliefen, einige Flüsse, Seen und hunderte Tümpel, die umlaufen werden mussten. Ein Fluss war derart breit, dass wir mit etlichen großen Steinen einen eigenen Übergang schaffen mussten. Trotz aller Bemühungen auf der  geplanten Peilung zu bleiben, kamen wir immer weiter Richtung Norden, so dass wir bis zum späten Nachmittag brauchten um zum Fuß des Rensfjellet zu kommen. Die verbleibenden 250 Höhenmeter zum Gipfel hatten wir dann wieder in Null Komma Nichts. Auf dem Rensfjellet stürmte es noch stärker als im Tal, so dass wir nahtlos in den Abstieg auf der anderen Seite übergingen. Ähnlich wie zuvor hatten wir auch hier enge Täler, die knapp 30 Meter in den Berg einschnitten, aber nicht in den Karten verzeichnet waren und unseren Weg zu einem ständigen Auf und Ab machten. Wenigstens konnten wir - jedesmal wenn wir wieder gerade oben auf einem Kamm waren- das nächste Ziel erkennen: den Kråkfjellet, den wir, nachdem wir ein kleines Moor im Tal durchquert haben noch vor der Finsternis erreichen wollten. Dank knackigem Zwischensprint gelang uns das sogar und wir konnten um kurz vor halb 8 in der Dämmerung schemenhaft die letzten sieben Kilometer Luftlinie unseres Weges erkennen. Einige Seen, deren Zu- und Abflüsse, ständiger Sumpf, ein kleinerer Gipfel (Litlfjellet - wo Lindas Truppe schon am Nachmittag war) und das ständige Verlangen danach, sich einfach mit dem Schlafsack ins nächste windgeschützte Loch zu legen, machten uns diese Kilometer im Dunkeln zum nicht ganz so schönen Erlebnis. Vor allem die 3-Kilometer-Marke (wir mussten mal wieder zwei größeren Seen ausweichen) machte uns zu schaffen, als wir sie drei mal hintereinander nach je einer halben Stunden Stiefelei auf der Karte sahen. Allen Unwegsamkeiten zum Trotz erreichten wir nach 17 Stunden, 3 Mitfahrgelegenheiten und dennoch gut 70 Kilometer Laufstrecke die Nicokoia. Die andere Gruppe schlief bereits, womit wir kein Problem hatten - reden wollte von uns an dem Tag eh keiner mehr. Wir bereiteten uns noch schnell ein fürstliches Mahl (Cosucous mit vorbereitetem Hühnchen-Gemüse) und krabbelten dann schnurstracks in unsere Hochbetten.
Der Weg am Samstag - noch anstrengender als das literarische Pendant am Sonntag ;)
Am Sonntag Morgen gab es ein böses Erwachen: wir waren kaum fähig aus dem Bett zu klettern, geschweige denn gute 15 Kilometer zum Bus zu laufen. Dankenswerter Weise kümmerte sich Lindas Gruppe um die Endreinigung der Hütte und wir konnten uns dem Rest unseres Abendessens vom Vortag widmen, der fortan auch unsere Marschverpflegung werden sollte. Die eigentliche Verpflegung für diesen Tag (jeder ein Brot) hatten wir bereits am Samstag während des Gehens mit dem dringenden Bedürfnis nach Kohlehydraten vertilgt. Um halb 10 starteten wir die letzte Etappe des Wochenendes Richtung Bus. Die Navigation wurde von Lindas Gruppe übernommen, die den Weg ja größtenteils am Freitag gegangen waren. Glücklicherweise liefen sich die müden Muskeln bald wieder ein, sodass nur noch die schmerzenden Füße zum Humpeln verleiteten. Bei bestem Wetter ging es dennoch recht zügig -vorbei an einer Mini-Herde Rentiere- raus aus der Wildnis und die letzten Kilometer entlang einer geteerten Straße über einen Sattel zur nächsten Bushaltestelle in Klærbu. Dort waren wir so früh, dass wir uns noch kurz mit Schokolade im (auch Sonntags geöffneten) Supermarkt eindecken konnten, eine halbe Stunde Pause hatten und einen Bus früher als geplant nehmen konnten (die Busse fahren stündlich).

Die gesamte Truppe vereint.

Das einstimmige Fazit unseres Ausflugs war, dass wir die Tour einfach machen mussten, um sie mal gemacht zu haben (wir hätten sie vorher auch unter keinen Umständen abgeblasen), sie aber nie wieder machen wollen. Viel gesehen haben wir leider auch nicht, dafür waren wir zu sehr mit uns, dem Weg und dem Sinn dahinter beschäftigt. Beim nächsten Mal gibts wieder mehr Bilder - versprochen!

Stand Mittwoch: André's Füße sind wieder auf Normalgröße abgeschwollen, die offenen Stellen, wo  mal Blasen waren heilen ohne größere Entzündungen, es lösen sich zwar zwei Nägel, aber die Taubheit in den großen Zehen ist dafür auch wieder weggegangen. Alles wieder gut!

Für diese Woche steht das "Highlight" auch schon fest: Am Mittwoch hatten wir eine Präsentationsreihe und Vorlesung in einer virtuellen Umgebung. Im Rahmen des Kurses "Cooperation Technology and Social Media" müssen wir in kleinen Gruppen ein Spiel entwickeln, welches den Nutzern eine Grundfertigkeit der Kooperation lehrt. Wir stürzten uns dabei auf das Stichwort Koordination und versuchen mittels eines einfachen Verkehrmanagers mit mehreren verteilten Rollen, den Spielern die Grundzüge der Koordination von Gruppen beizubringen. Dieses Spielkonzept sollten wir heute in einem Computerprogramm präsentieren, in dem jeder Hörer der Vorlesung als anonyme virtuelle Figur durch eine virtuelle Welt hüpft und allerlei Unsinn anstellt. Eine nackte Frau wurde immerhin darauf hingewiesen, sie solle sich doch angemessen kleiden. Schlechtes Bild und Ton rundeten die ganze Veranstaltung zu einer unverständlichen Zweitverschwendung ab, die Ihresgleichen sucht. Wenigstens konnten wir am Ende des 3-stündigen Spektakels unserem Unmut Luft machen und in einer Umfrage zu erkennen geben, dass sich diese "Technologie" in ihrer derzeitigen Form eben nicht, ganz und gar nicht dazu eignet, um eine Zusammenarbeit zu fördern. Das einzig Gute war, dass wir gemütlich bei unserem norwegischen Gruppenmitglied Thea auf der Couch sitzen und ihren Kaffee genießen konnten, während wir die Veranstaltung über uns ergehen ließen.

Das kommende Wochenende wird übrigens ein Büro- /Heimarbeits- /Uni-Wochenende - fußschonend versteht sich ;)

Sonntag, 28. September 2014

Finnedykket

Nachdem unsere letzte Wortmeldung am Sonntag vor 2 Wochen war, gibt es heute endlich wieder was von uns zu hören. Die vorletzte Woche haben wir fast ausschließlich mit Uni verbracht. Linda hing außerdem noch ihre Erkältung nach und André brütete auch gerade eine aus. Zudem arbeiteten wir vor, um am Freitag mit der Tauchgruppe auf einen Ausflug - den sogenannten "Finneykket" - fahren zu können. Der "Finnedykket" ist eine traditionelle Woche der Tauchgruppe mit einer befreundeten Uni-Tauchgruppe "Kupla" aus Helsinki. Am Donnerstag davor gab es abends ein Treffen mit allen Teilnehmern, an welchem wir erwartet hatten, alle Details der Tour zu erfahren. Leider machte uns die Mentalität der Norweger da einen Strich durch die Rechnung, denn das Treffen war (am Abend bevor es losgeht) dazu gedacht, um die Tour erst einmal zu planen. Da keiner der Norweger bereits am Freitag fahren wollte oder konnte und wir kein Auto haben und auch nicht nur zu zweit Tauchen gehen wollten, wurde der gesamte Start der Tour auf Samstag verlegt. Die Finnen planten mit der letzten Fähre am Samstag Abend anzukommen. Weiteres Manko war, dass das Boot der Dykkergruppa irgendwie mit auf den Ausflug sollte. Leider hatte niemand ein Auto um das Boot zu ziehen geschweige denn einen ausreichenden Führerschein. Daher kristallisierte sich dann im Laufe des Freitags heraus, dass wir Samstags mit dem Boot von Trondheim aus bis zum Ziel des Ausflugs fahren werden. Auch die Abholung von uns und unserem Gepäck gestaltete sich schwierig, da das von einem der Finnen, der am Freitag per Flugzeug nach Trondheim kam bzw. seinem Bekannten, den er besuchte, erledigt werden sollte und niemand irgendwelche Kontaktdaten zu haben schien. Erst Freitag Mitternacht hatten wir dann mit unserem vermeintlichen Fahrer geklärt, dass wir am nächsten Morgen abgeholt werden. Gepackt hatten wir schon - alles wasserdicht natürlich, da es ja mit dem Boot von Trondheim nach Mausund (eine kleine Insel im Atlantik vor dem Trondheimfjord) gehen sollte.

Pünktlich um kurz vor 10 erreichte uns am Tag darauf ein Anruf, dass wir etwas später abgeholt werden würden. Bis dahin machten wir noch etwas für die Uni. Tatsächlich abgeholt wurden wir dann von einem komplett Unbeteiligten, Peter, dem Finnen, und Kristian, einem Norweger der das Boot fahren sollte. Nach einem mehr oder weniger kurzen Zwischenstop im Tauchkeller ging es dann mit Tauchgepäck und Kompressor Richtung Hafen. Dort verluden wir alles auf dem Boot der Tauchgruppe. Bereits auf dem Weg zum Tanken an einer Wassertankstelle wurde klar, dass es die nächsten Stunden nicht mehr viel Platz zum Bewegen geben würde. Nach dem Tanken verteilten wir das Gewicht auf dem Boot noch einmal etwas besser und dann ging es mit Vollgas dank 150 PS Motor recht zügig Richtung offenes Meer. Zusätzlich zu unserer normalen Kleidung zogen wir Bootsanzüge an, die uns vor Spritzwasser und Fahrtwind schützen sollten. Das klappte die ersten 2, 3 Stunden noch ganz gut. Auf dem Weg überholten wir ein Schiff der Hurtigruten, sahen mehrmals einige Delfinschulen und hatten die Möglichkeit die Landschaft an uns vorüberziehen zu sehen, die stetig flacher, weniger bewaldet und immer inseliger wurde. Nach knapp 3 Stunden machten wir an der Nord-Ost Ecke von Frøya - der äußersten Insel die noch per Straße mit dem Auto zu erreichen ist - einen Tankstopp. In der Zwischenzeit wechselte das Wetter sehr zügig zwischen Sonne und Regenschauern mit zunehmend starkem Wind. Nach der Pause ging es weiter Richtung Mausund, allerdings nicht mehr der Küstenlinie folgend sondern quer übers Meer, dass sich zwischen Frøya und Mausund aufspannt. Bei ordentlich Wellen, Regenschauern und immer Vollgas wurden wir ordentlich durchgeschüttelt und von allen Seiten nass. Das Flachbodenboot sprang fröhlich über jeden Wellenkamm und klatschte mit voller Wucht auf den nächsten ohne ihn zu brechen. Da half nur noch Augen zu und durch. Komplett nass (in den Anzügen stand das Wasser und wurde beim Aufstehen in Form eines Wasserfalls befreit...) und unsicher ob sich der Hintern jemals wieder normal anfühlen würde erreichten wir Mausund und fanden dank einiger Telefonate mit dem Vermieter, die etwas zu detaillierte Informationen lieferten, auch relativ bald unser Ferienhaus. Mausund entpuppte sich als lose Ansammlung einiger kleiner flacher Inseln ohne jegliche Bäume und immerhin einer Straße von insgesamt 3 km Länge. Das Ferienhaus war sehr gemütlich eingerichtet und ausreichend groß um 11 Finnen, eine noch nicht hundertprozentig sichere Anzahl von Norwegern und -wie wir später genannt wurden- "Nicht-Norwegern" oder auch "die Deutschen" mit Taucherausrüstung etc. zu beherbergen. Nachdem der Kompressor und unser Gepäck vom Boot waren, erholten wir uns von den Strapazen unserer Fahrt, wärmten uns auf, stärkten uns mit dem mitgebrachten "matpakke" und warteten auf die Horde Finnen, die gegen 21 Uhr mit der letzten Fähre kam.

Bestens gelaunt im Hafenbecken von Trondheim
Der Bootsanzug passt, sitzt, hat Luft und hält warm. Alles Bestens!
sauber überholt ;) 
Versuch eines Panoramabildes bei voller Fahrt - Fotobomb Level Seegang
Wasser von überall - zuviel für den Bootsanzug (und die Linde).
Sehr schnell nach der Ankunft wurde klar, dass die Mentalität der finnischen Tauchgruppe eine komplett andere war, als die der norwegischen. Absolut durchstrukturiert und geplant wurden die Autos entladen und Unmengen an Gepäck in die Zimmer, Essen in Kühlboxen in die Küche und billiges finnisches Bier ins Wohnzimmer gestapelt. Sofort machte sich eine Gruppe trotz 14-stündiger Autofahrt daran das Abendessen zuzubereiten. Das gekaufte Essen sollte für jede Mahlzeit reichen ohne noch einmal einkaufen gehen zu müssen (obwohl die norwegischen Teilnehmer erst wenige Tage vorher ihre Teilnehmerzahl zusagen konnten). Sehr angenehm war, dass nur wenige Finnen ausreichend norwegisch sprechen konnten und die Sprache in der Hütte für die nächsten Tage eher englisch war - zumindest für wichtige Ansprachen oder Diskussionen. Der Ausflug ist eine Veranstaltung mit vielen Traditionen die sich seit 1983 entwickelt haben. So wird zum Beispiel vor jeder Mahlzeit gemeinsam gesungen. Wer und vor allem wie man auf die Texte gekommen ist, ist allerdings schon längst vergessen - vielleicht auch besser so ;) Eine weitere Tradition ist "rose" (NO: [ru:se] - Rose) ein Trinkspiel dessen Hauptbestandteile eine große Schüssel, ein Schöpflöffel, Krawatten aus Klopapier, Spielkarten und Unmengen von Bier sind. Eine erste Runde wurde auch gleich nach dem Essen gestartet und eigentlich sah man die ganze Woche lang fast immer ein paar der äußerst trinkfesten Finnen oder Kristian "rose" spielen. Nicht alle der Teilnehmer hatten das selbe Ziel wie wir: so viel wie möglich Tauchen. Für den nächsten Morgen wurde 9 Uhr Wecken und Frühstück vereinbart. André hat sich gleich für die erste Runde Frühstückszubereitung gemeldet und wir sind zügig in die Federn.

Am Sonntag ging der Tag für André um halb 9 los. Nachdem das Frühstück im Gemeinschaftsraum hergerichtet war, war es Zeit für die nächste Tradition: jeden Morgen wird man pünktlichst zur genannten Zeit persönlich mit Kaffee und Tee ans Bett geweckt. Also sind wir einmal die Schlafzimmer abgelaufen und haben alle geweckt und mit dem ersten Koffein/Teein-Schub versorgt. Nach dem Frühstück wurden die Gruppen fürs Tauchen besprochen, da wir nicht alle gleichzeitig aufs Boot passten und eine Zeit für den ersten Tauchgang jeder Gruppe und das Mittagessen vereinbart. Jeder Tauchgang wurde immer von einem Bootsführer und einem "Dykkeleder" (Tauchführer) begleitet. Die beiden waren dafür verantwortlich, die Gruppe sicher zum Tauchplatz und zurück zu bringen, beim Anlegen der Ausrüstung auf dem engen Boot zu helfen und am wichtigsten die Tiefen, Dauer und Verläufe der Tauchgänge zu beobachten, protokollieren und ggf. Hilfe zu rufen. Die erste Gruppe des Tages bereitete nach dem Tauchgang das Mittagessen und füllte die Flaschen mit den Kompressoren (auch die Finnen haben einen mitgenommen) wieder auf. Mittagessen gab es immer sehr spät, da zwei Tauchgänge mit allen Bootsfahrten einfach ihre Zeit brauchten. Nach dem Essen ging die erste Gruppe mit kaum Pause wieder ans Werk aka Tauchen während die zweite Gruppe Pause machte und Flaschen füllte. Nachdem am Abend wieder alle wohlbehalten zurück waren, wurde (auch wieder recht spät) das Abendessen zubereitet und gegessen. Nicht ohne vorher zu singen natürlich. Nach dem Essen wurde die Küche wieder auf Vordermann gebracht und jeder ging seiner Lieblingsbeschäftigung nach einem langen schönen Tauchgang nach - die neuesten Projektupdates aus der Uni nachlesen, duschen, Logbuch schreiben, Tauchcomputer auslesen, Bilder runterladen, lesen, schlafen, "rose" spielen, um nur die gängigsten aufzuzählen. Wieder wurde ein Frühstücksteam vereinbart (diesmal mit Linda) und dann mehr oder eher weniger bald das Bett aufgesucht.
Quasi die "Big Three" Mausund's in einem Bild: Seeigel (links), Seestern (rechts) und Pollack (groß im Hintergrund)
Sonnenstern mit Kulisse
Beinahe tropische Farben ...
Montags startete der Tag wieder mit Kaffee - von Linda kredenzt - und es wurde zum Frühstück gebeten. Jeden Tag gab es zum Frühstück etwas Brot mit Wurst und Käse aber hauptsächlich Haferbrei ("Porridge") mit Marmelade oder Erdbeer-/Blaubeersaft. Frisch gestärkt (mehr oder weniger) ging es dann wieder zum Tauchen. Nachmittags stießen drei weitere Norweger zur Gruppe, unter anderem Mads, der Bootsbeauftragte, der André dann bei der letzten Ausfahrt mit auf eine Bootseinweisung genommen hat. Mangels Seeführerschein darf André das Boot aus versicherungstechnischen Gründen jetzt aber leider nur im Beisein eines voll befugten Bootsführers fahren. Joakim, der zweite der frisch eingetroffenen Norweger ging mit uns dann nach dem Abendessen und Flaschen füllen noch auf einen Nachttauchgang vom Ufer aus. Hinterher ging es dann umgehend (immerhin schon nach Mitternacht) ins Bett.
Linda - alles Top! 
Einsiedlerkrebs und der kleine Bruder
Unterwasservulkan? ...
... fast - Krebs beim Loch buddeln.
sehr professionell ;)
kleines Suchbild: Scholle ...
... gefunden! Für dieses Foto hat André nur unverständliche Blicke geerntet und die Frage "Why didn't you stab it?". In Norwegen haben alle Taucher immer irrwitzig riesige Messer dabei - jetzt ist klar wieso.
Seehase (mit gutem Kaviar)

Am Dienstag machten wir wieder zwei sehr schöne Tauchgänge mit dem Boot, welches aber leider am Abend begann Probleme zu bereiten. 

Teemo mit einem großen Sack voll Kammskjell 
Immer die Augen auf.
Mittwochs musste das Boot zuerst notdürftig repariert werden - die Hydraulik zum Anheben und Absenken des Motors war kaputt- und wir machten einen Tauchgang vom Ufer aus. Der zweite Tauchgang konnte dann wieder mit dem Boot gemacht werden, wenn auch nur im Schneckentempo. Gegen Ende der Woche ist es Tradition, dass ein Abend lang Meeresfrüchte gegessen werden, die zuvor selbst gefangen wurden. Niemand sammelte während der Tauchgänge Krebse und kein Fisch war unvorsichtig genug um einfach eingesammelt zu werden. Nur ein kleiner Dorsch wurde von Linda geangelt und gleich danach lecker zubereitet mit Kapern und Zitrone verzehrt. Daher gab es am Mittwoch Abend Kammskjell. Die wehren sich nicht, sind zu tausenden um die Inseln rum vorhanden und waren daher an fast jedem Tauchspot leichte Beute für uns. Bis Mittwoch hatten wir ein recht großes Netz voll gesammelt und konnten uns sicher sein, an diesem Abend auch nur mit Muscheln satt zu werden. Beim Öffnen und Vorbereiten der Muscheln hat sich André unglücklicherweise das Messer in die Hand gestoßen, als er eine tote und daher leere Muschel erwischt hat, und musste von da an etwas mit seiner Hand aufpassen. (Stand Samstag darauf: Wunde verheilt hervorragend und ist schon fast wieder zu, keine Entzündung, alles gut!) Nach einem weiteren Tauchgang (mit Verband und geliehenen Trockenhandschuhen) gab es dann ein sensationelles Abendessen. Die Jakobsmuscheln wurden in etlichen verschiedenen Varianten zubereitet: als Kanapee, Sashimi/Tartar, an Sahnesoße, mit Schinkenwürfeln, und eine Variante die uns leider entfallen ist. Zum Nachtisch gab es dann noch warmen Schokokuchen - ohne Kammskjell... Sehr lecker!

Kelpwald - beeindruckend!
Am Donnerstag war für uns bereits der letzte Tag, da wir am Freitag wieder was für die Uni machen wollten. Gegen Mittag fuhr das erste Auto Richtung Trondheim und dem wollten wir uns anschließen, um zeitig heimzukommen. Auch für das Boot war es endgültig der letzte Tag. Zusätzlich zu den Problemen mit dem Trimm hat auch der Motor an sich den geist aufgegeben und das Boot musste in aller Frühe zum nächsten Hafen geschleppt werden, der mit dem Auto erreichbar ist. Aus Trondheim sollte sich einer der Tauchgruppenmmitglieder ein Auto leihen und vormittags bis zur Insel kommen um das Boot abzuholen. Als wir jedoch am frühen Nachmittag mit dem kleinen Auto von Mausund beim Boot waren, ist das große Auto aus Trondheim gerade erst losgefahren, sodass es bis zum späten Nachmittag gedauert hat bis wir tatsächlich nach Hause gefahren sind. Derweil haben wir unser Gepäck neu sortiert, so dass die Lasten auf die zwei Autos gut verteilt waren und auch wir ins Auto gepasst haben. Bis zum Boot ging der Weg nämlich mit der Fähre und das kleine Auto (BMW Kombi) war komplett vollgestopft mit unseren Sachen. Den Rest der Wartezeit haben wir in einem "Supermarkt" verbracht, der eine kleine Warteecke mit Tisch, Stühlen und Kaffe hatte. Im Laufe des Nachmittags kamen der ein oder andere ältere Einwohner der Insel vorbei und leistete uns beim Warten Gesellschaft. Glücklicherweise reichen unsere Norwegischkenntnisse bereits, um wenigstens kleine Gespräche am laufen zu halten. Als das Boot dann endlich aufgeladen worden war (von einem Kranfahrer, der mit ein paar Flaschen Bier bestochen wurde, Überstunden zu machen) ging es endlich weiter nach Hause. Ein kleiner Navigationsfehler an einer der wahrscheinlich nur 5 Kreuzungen auf ganz Frøya hat uns eine knappe weitere Stunde Umweg beschert. Daheim haben wir uns die Reste aus dem Kühlschrank zu Currywurst mit Ofengemüse zusammengekocht und unser Material gespült und zum Trocknen aufgehangen.

Den Freitag nutzen wir, um uns einen Überblick über die verpassten Fortschritte unserer Gruppen zu machen und wieder in die Arbeit einzusteigen. Allzuviel ist (vor Allem in André's Gruppe) eh nicht vorwärtsgegangen. Am Freitag Nachmittag trafen sich die Finnen und viele andere Mitglieder der Tauchgruppe zur so genannten GenFors, der "generalforsammling" (Generalversammlung, so einfach kann Norwegisch sein ;) ), die aber in Wirklichkeit einfach nur ne mega Party auf der Stundenterhytta ist. Wir wollten beim Vorglühen im Clubkeller und im Foyer eines feineren Hotels in Trondheim eher nicht partizipieren und trugen uns stattdessen ein, am späten Nachmittag und Abend auf der Studenterhytta die Party hinter den Kulissen am Laufen zu halten. Bisher hatte sich noch niemand anderes gemeldet, so war das für alle Seiten eine klasse Lösung. Nachdem wir beim Kochen geholfen hatten, das Essen angerichtet, die Bar für einige Stunden besetzt und die Küche sauber gemacht hatten, legten wir sowohl die Schürzen als auch alles andere beiseite und gesellten uns zu den Partygästen im Hot-Tub und der Sauna. Sehr viel später gingen wir alle ins Bett. 

Tags darauf schliefen wir uns aus. Nachdem Linda aufgewacht war und ihren morgendlichen Toilettengang vollbracht hatte, wurde André durch extrem laute Musik recht unsanft vom Koch und dem Verantwortlichen für die Hütte geweckt. Nach Kaffee (den sich André leider selbst in der Küche holen mussten (Linda konnte den Service des vom Koch ins Schlafzimmer gebrachten Kaffees noch ein mal genießen)) und Frühstück fuhren wir wieder nach Hause und setzten uns an unsere Projekte. Nachts gingen wir noch auf ein Paar Stunden in den Klubkeller um die Finnen gebührend mit einem letzten Saunagang zu verabschieden. Für Januar wurden wir zur International Cable Conference eingeladen, eine weitere traditionsreiche Fahrt, bei welcher die Norweger die Finnen besuchen, allerdings ohne großartige Tauchambitionen. Allein um die Gruppe wieder zu treffen würde sich das allerdings schon lohnen. Wir werden sehen, was Zeit und Budget im Januar für solche Späße noch hergeben ...

Morgen steht ganz im Zeichen unserer Projekte und der Sonntagstauchgang fällt für uns ins Wasser. Aktuell haben wir für das ganze Wochenende aber auch noch Sturmwarnung, sodass das eventuell gar nicht so schlecht ist. Und getaucht sind wir ja in der letzten Woche auch genug ;) Nur Linda widmet sich später noch dem norwegischen Swing Tanz.

Für mehr Details zu unseren Tauchgängen: https://www.divelogs.de/log/seitza (Wir tauchen in der Regel immer als fixes Team, daher sind unsere Tauchgänge fast identisch.)